Schriftsonar #34 – William Gibson, Helmuth W. Mommers, Ian McDonald, Robert Charles Wilson

Ian McDonald - BrasylTäuschung und Wirklichkeit: William Gibson hat sich in der Gegenwart eingerichtet und nimmt uns in »Quellcode« ein weiteres Mal mit auf seine Suche nach der Wahrheit unter dem Zeitgeist. Das Symbol der Suche ist ein rätselhafter Schiffscontainer und die Gegenwart maskiert sich durch Scheinwelten, Werbeagenturen und Regierungsbehörden. Wir sehen Tote auferstehen und reden über Produkt-Placement. [00:00]

Aufhören, wenn es am schönsten ist? – Die Anthologie »Der Moloch« von Helmuth W. Mommers zeigt die Vielfalt und Qualität der deutschsprachigen SF-Kurzgeschichte. Leider endet mit diesem Band die Reihe der Mommer’schen Visionen. Wir wagen Würdigung und Abgesang und werfen einen genaueren Blick auf »Die Tänzerin« von Frank Haubold. [12:30]

It is not safe to be one thing for too long: Mit dem meisterhaften Roman »Brasyl« unterstreicht Ian McDonald seinen Rang als einer der besten zeitgenössischen Autoren. Packend geschrieben und atmosphärisch dicht entwirft er das Gestern, Heute und Morgen der brasilianischen Riesenmetropole Sao Paulo. Die Welt als ein Kaleidoskop aus Universen, Schicksalen und Zeitebenen. [22:50]

Und der Himmel schweigt: In »Axis« führt Robert Charles Wilson seine Geschichte aus »Spin« weiter. 30 Jahre später tummeln sich Supermenschen, Aussteiger und Genpolizisten im Outback eines fremden Planeten. Erste Annäherungen an die hypothetischen Götter. Wir schauen in den Himmel und warten auf das Feuerwerk, das leider nicht kommt. [33:30]

[audio:http://www.schriftsonar.de/audio/schriftsonar34.mp3]

Download: Schriftsonar 34

passend zur Sendung:
In der Kurzgeschichte »Modus Dei« – enthalten in der Anthologie »Der Moloch« – beschreibt Thorster Küper ein Augmented Reality Spiel, das ein wenig ausser Kontrolle gerät. Ich erwähnte in der Sendung, dass solch ein Computerspiel tatsächlich entwickelt wurde, und zwar vom Fraunhofer Institut für angewandte Informationstechnik FIT. Das Spiel heisst Epidemic Menace und hier ist die Mikrosite zum Spiel. Auch die 3Sat-Sendung Nano hat ein paar Informationen dazu.

Datastream
William Gibson, Quellcode (Klett-Cotta 2008 – 450 Seiten), Übersetzung: Stefanie Schaeffler, Originaltitel: Spook Country (2008)

Helmuth W. Mommers (Hg.), Der Moloch – Visionen 4 (Shayol 2007 – 352 Seiten)

Ian McDonald, Brasyl (Gollancz 2007 – 416 Seiten)

Robert Charles Wilson, Axis (Heyne 2008 – 396 Seiten), Übersetzung: Karsten Singelmann, Originaltitel: Axis (2007)

Musik zur Sendung:
Zengineers – The Return of Intelligence: Hikari – [iD.045] – www.ideology.de

1 Meinung dazu

ML, 2. Dezember 2009, 1:47 Uhr

Markennamen bei in Gibsons neuem Roman „Quellcode“.
Ist das nicht ein Gibson-eigenes Stilmittel, das er schon in „Neuromancer“ treffend einzusetzen weiß?

Man denke z.B. an Case‘ Cyberdeck, das ja nur über die Marke referenziert wird, oder der „Braun“, oder die Zigaretten, die Case raucht.

Danke für diese wahnsinnig interessante und einmalige Podcast-Serie; etwas nach dem ich so lange gesucht hatte. Danke.

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