Schriftsonar – Der SciFi Podcast

FC Stoffel bekommt dieses Mal Verstärkung: Nicht nur Michael kehrt für einen Gastauftritt zum Schriftsonar zurück, mit Patric und Ivo gesellen sich zwei weitere enthusiastische Leser zu den beiden alten Hasen.

Aus Anlass der aktuellen Award Season werden wir kurz beleuchten, wie inspirierend die Lektüre der einschlägigen Nominierungen  für das Befüllen der persönlichen  “To-Read-List” sein kann. Der Beweis für diese These wird dann sogleich geführt. Wir besprechen Bücher, die entweder nominiert sind oder nach unserer Meinung dringend nominiert gehört hätten. Und in denen es verblüffend oft um Generationsschiffe und vernichtete Zivilisationen geht…

Arche und Arachniden – Ein Terraforming-Projekt läuft schief, und statt der geplanten Affen kommen Spinnen in den “Genuss” des Evolutionsvirus…. den Menschen von der zerstörten Erde, die Jahrtausende später hier eine neue Heimat suchen, wird ein unerwarteter Empfang bereitet.  Adrian Tchaikovskys CHILDREN OF TIME ist ein Meisterwerk, das zurecht auf der ClarkeAward Shortlist steht.

Keine Arche – aber ohne Apokalypse, welche  große Teile der Menschheit hinwegrafft, kommt auch dieser Roman nicht aus. Dazu gesellen sich virtuelle Realitäten und künstliche Körper, alte und neue Welt, Vergangenheit und Zukunft. William Gibson kehrt gereift zu seinen Themen aus den 1980er Jahren zurück und erweitert sie um Zeitreisen und Alternativwelten. Nach Gibsons eigener Aussage zwar “pretty standard plot devices”, aber sein aktuelles Werk ist mehr als die Summe dieser Teile und wir werden erfahren, wie viel Cyberpunk in THE PERIPHERAL zu finden ist.

Robinsons Arche – “The best generation ship novel I have ever read”, schreibt Adam Roberts über Kim Stanley Robinsons AURORA. Und wir können hier kaum widersprechen. EIn großes Werk über lange Reisen in engen Schiffen und noch so viel mehr, wie zu hören sein wird.

Arche statt Mond – Der Mond ist explodiert, die Menschheit hat zwei Jahre Zeit, ein Überleben der Zivilisation im All zu ermöglichen, bevor die Trümmer die Erde unbewohnbar machen werden.   Episch, spannend, anstrengend … Neil Stephensons SEVENEVES (dt.: AMALTHEA), nominiert für den Hugo.


Weiterführende Links:
Hugo Award Shortlist 2016
ClarkeAward Shortlist 2016
Review von Adam Roberts über “Aurora”

Download: Schriftsonar 53


Datastream:
Adrian Tchaikovsky: Children of Time. 608 Seiten. Pan (2016).
ISBN-13: 978-1447273301

William Gibson: The Peripheral. 496 Seiten. Penguin (2015).
ISBN: 978-0241961001
dt. Ausgabe: Peripherie, Tropen Verlag, erscheint am 27. August 2016

Kim Stanley Robinson: Aurora, 528 Seiten. Orbit (2016).
ISBN: 978-03160980902015
dt. Ausgabe: Aurora, Heyne Verlag, erscheint am 14. November 2016

Neal Stephenson: Seveneves. 867 Seiten. Harper Collins (2016).
ISBN: 978-0008132545
dt. Ausgabe: Amalthea. 1056 Seiten. Manhattan (2015). Übersetzung: Nikolaus Stingl & Juliane Gräbener-Müller.
ISBN: 978-3442547623

Die Musik zur Sendung:
Erich Schall – (erscheint erst Ende September)

William Gibson – SystemneustartMythos und Wahrheit: Das ungewöhnliche, skurrile Werk von James Tiptree Jr. ist nur noch eingeschworenen Fans bekannt. Mit der Neuauflage ihrer Kurzgeschichten könnte sich das ändern. Der erste Band Quintana Roo entführt den Leser in die magische Realität von Yukatan. Kurze Roadmovies auf dem Weg in die Unwirklichkeit. [00:00]

Wer bin ich, wenn ich viele bin? Bei David Marusek wird die digitale Verwirrung der Moderne auf die Spitze getrieben, wenn der Alltag mit Schnappschüssen des Selbst bevölkert wird. Das ist eine der vielen Ideen, die den Leser in seiner Anthologie Wir waren außer uns vor Glück erwarten. Kurzweilige Erzählungen mit doppeltem Boden von einem neuen, bemerkenswerten Autor. [12:35]

Anti-Marketing: Was macht Sinn, wenn Sinn zur Marke wird? Die Personen in Systemneustart von William Gibson sind auf der Suche nach der Geschichte hinter den Dingen und verlieren sich in der Leere unserer Konsumwelt. Der letzte Band der Blue-Ant-Trilogie ist eine faszinierende Sozialstudie und ein treffender Kommentar zur Gegenwart. [23:00]

Der Tod ist ein unnützes Wissen: Die Anthologie Machine of Death variiert auf sehr kreative und unterhaltsame Art die Frage: Was wäre, wenn ich wüsste, wie ich sterbe? Ein originelles Buch mit einer originellen Entstehungsgeschichte als Creative Commons Projekt. [35:05]

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Download: Schriftsonar 43


Datastream

James Tiptree Jr., Quintana Roo (Septime 2011 – 158 Seiten), Übersetzung: Frank Böhmert, Originaltitel: Tales of the Quintana Roo (1986)

David Marusek, Wir waren außer uns vor Glück (Golkonda 2011 – 224 Seiten), Übersetzung: Jasper Nicolaisen, Jakob Schmidt, Originaltitel: Getting to Know You (2007)

William Gibson, Systemneustart (Tropen 2011 – 488 Seiten), Übersetzung: Hannes und Sara Riffel, Originaltitel: Zero History (2010)

Ryan North, Matthew Bennardo, David Malki, Machine of Death: A Collection of Stories about People Who Know How They Will Die (Machine of Death 2011 – 452 Seiten) als kostenloser Download: http://machineofdeath.net/pdf/MachineofDeath_FINAL.pdf

Die Musik zur Sendung
V.A. – Twenty Twenty – [vm020-free] – www.vekton.de


William Gibson - Neuromancer Ein Kultbuch der 80er und einer der wichtigsten und folgenreichsten SF Romane überhaupt. Doch Neuromancer von William Gibson wird nie mehr so sein wie beim ersten Mal. Hier war jemand, der zu Zeiten von Telnet und Modems über Cyberspace, Virtual Reality und den Pop-Underground einer Hackerjugend schrieb. Was heute alltäglich wirkt, war damals eine betörend neue Droge. Schnell, cool, in schwarz, gelb und Chrom. Eine machtvolle Feedbackschleife von Science Fiction Culture zur technologischen Wirklichkeit. Der Cyberspace ist eine literarische Erfindung und mit diesen Worten begann es:

CHIBA CITY BLUES — Der Himmel über dem Hafen hatte die Farbe eines Fernsehers, der auf einen toten Kanal eingestellt ist.
“Ist nicht mehr wie früher”, hörte Case jemand sagen, als er sich mit den Schultern einen Weg durch die Menge an der Tür vom Chat bahnte. “Ist gerade so, als haste so’n riesiges Drogendefizit angesammelt.” Es war eine Sprawl-Stimme und ein Sprawl-Witz. Das Chatsubo war eine Bar für eingesessene Ausländer im freiwilligen Exil; man konnte eine Woche lang bechern, ohne ein Wort Japanisch zu hören.
Ratz schmiß die Theke. Seine Armprothese zuckte monoton, als er einen Schwung Gläser mit Kirin vom Faß füllte. Er sah Case und lächelte. Sein Gebiß war ein vertracktes Gebilde aus osteuropäischem Stahl und schokobrauner Fäule. Case fand einen Platz an der Theke zwischen der unwahrscheinlichen Bräune einer Hure von Lonny Zone und der steifen Marineuniform eines großen Afrikaners, dessen Wangen mit präzisen Reihen von Stammesnarben geritzt waren. “Er war schon da, mit zwei Mackern”, sagte Ratz und schob Case mit seiner unversehrten Hand ein Bierglas über die Theke zu. “Geschäft mit dir, Case?”
Case zuckte mit den Achseln. Das Mädchen zu seiner Rechten stupste ihn kichernd.
Der Barkeeper grinste. Seine Häßlichkeit war legendär. Im Zeitalter käuflicher Schönheit hatte sein Mangel daran Signalwirkung.


Ian McDonald - BrasylTäuschung und Wirklichkeit: William Gibson hat sich in der Gegenwart eingerichtet und nimmt uns in »Quellcode« ein weiteres Mal mit auf seine Suche nach der Wahrheit unter dem Zeitgeist. Das Symbol der Suche ist ein rätselhafter Schiffscontainer und die Gegenwart maskiert sich durch Scheinwelten, Werbeagenturen und Regierungsbehörden. Wir sehen Tote auferstehen und reden über Produkt-Placement. [00:00]

Aufhören, wenn es am schönsten ist? - Die Anthologie »Der Moloch« von Helmuth W. Mommers zeigt die Vielfalt und Qualität der deutschsprachigen SF-Kurzgeschichte. Leider endet mit diesem Band die Reihe der Mommer’schen Visionen. Wir wagen Würdigung und Abgesang und werfen einen genaueren Blick auf »Die Tänzerin« von Frank Haubold. [12:30]

It is not safe to be one thing for too long: Mit dem meisterhaften Roman »Brasyl« unterstreicht Ian McDonald seinen Rang als einer der besten zeitgenössischen Autoren. Packend geschrieben und atmosphärisch dicht entwirft er das Gestern, Heute und Morgen der brasilianischen Riesenmetropole Sao Paulo. Die Welt als ein Kaleidoskop aus Universen, Schicksalen und Zeitebenen. [22:50]

Und der Himmel schweigt: In »Axis« führt Robert Charles Wilson seine Geschichte aus »Spin« weiter. 30 Jahre später tummeln sich Supermenschen, Aussteiger und Genpolizisten im Outback eines fremden Planeten. Erste Annäherungen an die hypothetischen Götter. Wir schauen in den Himmel und warten auf das Feuerwerk, das leider nicht kommt. [33:30]

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Download: Schriftsonar 34

passend zur Sendung:
In der Kurzgeschichte »Modus Dei« – enthalten in der Anthologie »Der Moloch« – beschreibt Thorster Küper ein Augmented Reality Spiel, das ein wenig ausser Kontrolle gerät. Ich erwähnte in der Sendung, dass solch ein Computerspiel tatsächlich entwickelt wurde, und zwar vom Fraunhofer Institut für angewandte Informationstechnik FIT. Das Spiel heisst Epidemic Menace und hier ist die Mikrosite zum Spiel. Auch die 3Sat-Sendung Nano hat ein paar Informationen dazu.

Datastream
William Gibson, Quellcode (Klett-Cotta 2008 – 450 Seiten), Übersetzung: Stefanie Schaeffler, Originaltitel: Spook Country (2008)

Helmuth W. Mommers (Hg.), Der Moloch – Visionen 4 (Shayol 2007 – 352 Seiten)

Ian McDonald, Brasyl (Gollancz 2007 – 416 Seiten)

Robert Charles Wilson, Axis (Heyne 2008 – 396 Seiten), Übersetzung: Karsten Singelmann, Originaltitel: Axis (2007)

Musik zur Sendung:
Zengineers – The Return of Intelligence: Hikari – [iD.045] – www.ideology.de

William Gibson - Mustererkennung(Produziert beim Freien Lokalfunk Köln, Erstsendung bei Radio Köln am 25.9.2004)

9/11, Marketing und Newsgroups: William Gibson betreibt »Mustererkennung« in der Gegenwart. [00:00]

Andreas Eschbach bietet »Eine Trillion Euro« für europäische Kurzgeschichten [21:40]

Klassiker der SF: »Gateway« von Frederik Pohl [29:40]

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Download: Schriftsonar 13

Datastream
William Gibson, Mustererkennung (Klett-Cotta 2004 – 460 Seiten) Übersetzung: Cornelia Holfelder von der Tann und Christa Schuenke, Originaltitel: Pattern Recognition (2002)

Andreas Eschbach (Hg.), Eine Trillion Euro (Lübbe 2004 – 463 Seiten)

Frederik Pohl, Die Gateway-Trilogie: Gataway. Jenseits des blauen Horizonts. Rückkehr nach Gateway (Heyne 2004 – 928 Seiten) Übersetzung: Tony Westermayr und Edda Petri, Originaltitel: Gateway (1976), Beyond the Blue Event Horizon (1980), Heechee Rendezvous (1984)

Musik zur Podcastfassung:
Sudio – Current Trends In Neural Science – [iD.004] – www.ideology.de

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