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Kim Stanley Robinson - 2312Von Klassik zur Space Opera: Was mit Rilke beginnt, wird zu einem Weltraumabenteuer mit Sternenbomben und kosmischen Mächten. Frank W. Haubolds Roman Götterdämmerung: Die Gänse des Kapitols ist ambitionierte deutsche SF mit guten Ideen und vielleicht zu wenig Seiten. [00:00]

Rettet Mutter Erde! Der Roman 2312 von Kim Stanley Robinson ist eine engagierte Geschichte über eine Menschheit im All, die nicht ohne ihre Heimat überleben kann. Eine Liebeserklärung an die Schönheit und Größe der Erde. Dieser grandiose Gegenentwurf zum Eskapismus der klassischen Space Opera gehört ganz sicher zu den wichtigen SF Romanen des anbrechenden Jahrhunderts. [12:00]

Was’n netten Quatsch: Kurzweilige Fantasy braucht keinen intellektuellen Tiefgang, um uns von einem dicken Band in den nächsten zu stürzen. Die Kriegsklingen von Joe Ambercrombie sind schnell, witzig, manchmal klug und auf jeden Fall spannend. Wir chillen bei angenehmer Unterhaltungslektüre. [23:30]

Lerne, den Fremden zu lieben: Die Xenogenesis Trilogie Die Genhändler von Octavia E. Butler ist ein wahres Meisterwerk der SF Literatur. Die Geschichte einer verlorenen Menschheit, die sich nur durch Hinwendung zur Fremdartigkeit retten und entwickeln kann, ist ein bewegendes und erzählerisch brillantes Statement zu den Themen Rassismus und Gender. [34:45]

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Frank W. Haubold, Götterdämmerung: Die Gänse des Kapitols (Atlantis 2012 - 241 Seiten)

Kim Stanley Robinson, 2312 (Orbit 2012 - 561 Seiten)

Joe Abercrombie, The First Law Trilogie: Kriegsklingen (Heyne 2007 - 800 Seiten), Feuerklingen (Heyne 2008 - 797 Seiten), Königsklingen (Heyne 2008 - 944 Seiten), Übersetzung: Kirsten Borchardt, Original: The Blade Itself (2006), Before They Are Hanged (2007), Last Argument Of Kings (2008)

Octavie E. Butler, Die Genhändler. Die Xenogenesis Trilogie. Drei Romane in einem Band: Dämmerung/Rituale/Imago (Heyne 1999), Übersetzung: Barbara Heidkamp, Original: Dawn (1987), Adulthood Rites (1988), Imago (1989)

Die Musik zur Sendung
Phonotrash - Elsewhere




By Light Alone - Adam RobertsPubertät ist die Hölle: Richard Calder liefert in seinem Debüt-Roman Tote Mädchen eine plausible Erklärung für stressige 14jährige Gothic-Girls: Quantenmechanik in der Gebärmutter. Wir reden über die gepfählten Frauen des New Gothic, Kitsch und absinthfarbene Augen. [00:00]

Ohne Licht keine Dunkelheit: Wie entwickelt sich eine Gesellschaft, wenn das Licht versiegt? Sie vergisst, was Dunkelheit ist. Auf dieser faszinierenden Prämisse beruht der Roman Dunkles Universum von Daniel F. Galouye. Ein weitgehend vergessenes, bemerkenswertes Buch über eine Reise von der Dunkelheit ins Licht. [13:40]

Haben und nichts haben: In seinem Roman By Light Alone entwirft Adam Roberts ein erschreckendes Szenario. Eine zerrissene, leidende Welt aus emotional gestörten Superreichen und dahinvegetierenden Armen, die im realen Sinne nicht mehr Wert sind als Pflanzen. Eine bewegende Geschichte über Menschen am Rande ihrer inneren Abgründe und ein ungewöhnlich guter und wichtiger SF Roman. [24:20]

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Richard Calder, Tote Mädchen (Suhrkamp 2012 - 242 Seiten), Übersetzung: Hannes Riffel, Originaltitel: Dead Girls (1992)

Daniel F. Galouye, Dunkles Universum (Ullstein Science Fiction 1984 - 190 Seiten), Übersetzung: Joachim Pente, Originaltitel: Dark Universe (1961)

Adam Roberts, By Light Alone (Gollancz 2011 - 406 Seiten)

Die Musik zur Sendung
Monokle & Galun - In Frame - [12rec.062]

auch interessant:
Adam Roberts, Sternensturm (Polystom) in Schriftsonar #31
Adam Roberts, Sternennebel (Salt) in Schriftsonar #28
Adam Roberts, Sternenstaub (Stone) in Schriftsonar #25



Is anybody out there? – Science Fiction jenseits von Anglo-Amerika.

Das Genre der Science Fiction Literatur ist vor allem eine anglo-amerikanische Angelegenheit. Neben den Publikationen aus den USA und Großbritannien spielen Romane aus anderen Ländern nur eine Nebenrolle. Die sogenannte “internationale SF Szene” ist recht einseitig sortiert. Die Europäer sind daran gewöhnt, dass ihre Science Fiction Autoren nur im eigenen Land und oft nur am Rande wahrgenommen werden. Wie ist dies aber erst, wenn wir in andere Regionen blicken? Gibt es Science Fiction aus Afrika, aus Asien oder Arabien? Welche Rolle spielen kulturelle Dominanz und westliche Weltbilder bei der Eingrenzung des SF Genres? Was gibt es zu entdecken – jenseits von Anglo-Amerika?

Christian Hoffmann - Phantastische Literatur in Afrika Über diese und andere Fragen spreche ich mit Michael Iwoleit und Christian Hoffmann. Der Autor, Übersetzer und Publizist Michael Iwoleit ist unter anderem Herausgeber des englischsprachigen Online Magazines Internova, das sich ausschließlich mit internationaler SF jenseits der anglo-amerikanischen Szene beschäftigt. Christian Hoffmann ist Kritiker und Autor zahlreicher Sekundärtexte zur SF. Soeben erscheinen ist sein Buch Phantastische Literatur aus Afrika.

Download: Schriftsonar Spezial World SF

Im Podcast erwähnte Leseempfehlungen:

zur afrikanischen Science Fiction:

Lauren Beukes - MoxylandThiongo – Herr der KrähenNnedi Okorafor - Who Fears Death
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J. M. Coetzee - Warten auf die BarbarenMohammed Dib - Und ich erinnere mich an das MeerLauren Beukes, Moxyland. Englischsprachige Ausgabe (keine deutsche Übersetzung vorhanden) (384 Seiten, Angry Robot 2010) - Ng’g’ wa Thiong’o, Herr der Krähen (Originaltitel: Wizard of the Crow). Aus dem G’k'y’ ins Englische von Ng’g’ wa Thiong’o, aus dem Englischen von Thomas Brückner (960 Seiten, A1 Verlag 2011) - Nnedi Okorafor, Who Fears Death. Englischsprachige Ausgabe (keine deutsche Übersetzung vorhanden) (400 Seiten, DAW 2011) - J. M. Coetzee, Warten auf die Barbaren (Originaltitel: Waiting for the Barbarians). Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke (285 Seiten, Fischer Taschenbuch Verlag 2002) - Mohammed Dib, Und ich erinnere mich an das Meer (Originaltitel: Qui se souvient de la mer). Aus dem Französischen von Helga Walter (142 Seiten, Verlag Edition Orient 1992)

Ein hervorragender Überblick von Christian Hoffmann: Phantastische Literatur aus Afrika. Eine Bestandaufnahme (150 Seiten - Shayol 2012)

weitere internationale Science Fiction:

Lavie Tidhar - Apex Book of World SF 1Lavie Tidhar - Apex Book of World SF 2Bal Phondke - Es geschah morgen (Indische SF)
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Lavie Tidhar: Apex Book of World SF 1 & 2 (Apex Publications) - Bal Phondke: Es geschah morgen. Indische Science Fiction Deutsch von Wilko Müller (325 Seiten, Projekte-Verlag 2006) - Brian W. Aldiss & Sam Lundwall (Hrsg.): Der Grosse Heyne World SF Omnibus

im Internet:

Internova - International SF (edited by Michael Iwoleit)

The World SF Blog

auch interessant:
Schriftsonar Podcast Spezial: Robert Sheckley

Schriftsonar Podcast Spezial: Die Erforschung der Zukunft



Good Bye Ray …

Ich habe von den versteinerten Meeren des Mars geträumt, den Eiscreme-Anzug bewundert, mich vor dem Illustrierten Mann gegruselt und bin oft zu Fuß durch seine stillen Straßen gegangen.

Ohne Ray wäre meine Jugend eine andere gewesen …

Ray Bradbury (1920-2012)


Und wieder einmal ist es Zeit für Meinungsvielfalt, in unserer Rubrik »Multiversum«. Diesmal haben wir nach den unbeachteten Meisterwerken gefragt. Tolle SF-Romane, die vielleicht schon vor längerer Zeit erschienen sind und die niemals die Aufmerksamkeit und Würdigung erfuhren, die sie eigentlich verdient hätten. Bücher, die in die Kategorie »Most Underrated SF-Novel« fallen.

Michael Iwoleit, Autor, Übersetzer, Herausgeber (u.a. Nova, Internova): Hilbert Schenck, At the Eye of the Ocean (1980) – Science Fiction ist eine im Kern pessimistische Literatur. Es fällt schwer, SF-Bücher mit einer optimistischen Grundstimmung zu finden, die nicht ins Kitschige verfallen. Mit diesem Buch – der Lebensgeschichte eines Mannes mit dem ungewöhnlichen Talent, Meeresströmungen und Wetterbewegungen über dem Meer zu erspüren Hilbert Schenck - At The Eye Of The Ocean – ist dem Autor etwas gelungen, was die meisten SF-Autoren gar nicht erst versuchen: Eine kraftvolle Bejahung des Lebens und der Liebe, mit am Ende fast mystisch überhöhten Figuren, die dennoch glaubhafte Charaktere bleiben. Schenck gelangte in der amerikanischern SF der Siebziger zu vorübergehender Prominenz, ist aber heute praktisch vergessen. Auch seine Stories und sein Roman A Rose for Armageddon, wenn auch weniger stark als dieser, lohnen eine Wiederentdeckung.
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Hardy Kettlitz, Publizist, Autor zahlreicher Texte zur SF-Literatur, Herausgeber der Reihe SF-Personality: George Turner, Sommer im Treibhaus (1987; The Sea and Summer) – Subtiler, spannender Roman aus Australien über Treibhauseffekt und die Weltwirtschaft. Ward Moore: Der große Süden (1953; Bring the Jubilee) – Alternativweltroman, in dem die Südstaaten den amerikanischen Bürgerkrieg gewinnen. Mike Resnick: Das Zeitalter der Sterne (1982; Birthright: The Book of Man) – Großartige Future History in Erzählungen. Lohnt auch mehrfaches Lesen.
George Turner – Sommer im TreibhausWard Moore – Der große SüdenMike Resnick – Das Zeitalter der Sterne
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Arno Behrend, Publizist, Autor und Mitorganisator des DortCon: Elleander Morning von Jerry Yulsman – In einem detailreich geschilderten Jahr 1983, das völlig anders ist, als jenes, das wir erlebt haben, sorgen zwei Bücher für Aufregung, die ein nie stattgefundenes Ereignis allzu glaubwürdig darstellen: einen zweiten Weltkrieg! Dieses Buch hat einfach alles: Phantastik, Spannung, Romantik, Erotik und eine verblüffende Detaildichte. Die Todesgarde von Philip George Chadwick – Ein Soldat des Ersten Weltkrieges erschafft mit biotechnologischen Methoden eine nichtmenschliche Armee. Wie Chadwick schon 1939 in diesem Roman die Gentechnologie voraussieht, ist atemberaubend – eine Vision von gestern, die den Leser heute frösteln lässt! Das Automatenzeitalter von Ri Tokko – Ri Tokko hat sich in dieser Utopie aus dem Jahre 1930 von der Automatisierung die vollständige Befreiung des Menschen von der Arbeit erhofft. Fertighäuser, Solarenergie, das Internet, Wetterkontrolle und Gentechnik – das alles hat Ri Tokko vorweggenommen. Seine gesellschaftlichen Visionen sind aus heutiger Sicht teils traumhaft, teils völlig indiskutabel –In jedem Fall ist sein Ideenreichtum außergewöhnlich.
Jerry Yulsman - Elleander MorningPhillip George Chadwick – Die TodesgardeRi Tokko – Das Automatenzeitalter
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Christian Hoffmann, SF-Kritiker, Publizist, Autor von Sekundärtexten zur SF: Das Rätsel der Creeps von Daniel S. Garnett, der wie Haldemans Ewiger Krieg zur Zeit des Vietnamkrieges entstand, ist eine brillante Satire, in der mit Drogen ruhiggestellte Raumsoldaten in den Kampf gegen die bösen, bösen Creeps ziehen. Oder das zumindest glauben… – Weitaus weniger bekannt als Asimovs Roboter-Geschichten ist Roderick von John T. Sladek, dessen mechanischer Titelheld immer wieder mit menschlicher Dummheit und Bosheit konfrontiert wird. Vergesst Asimovs Robotergesetze: hier kommt Roderick! Der Mann ohne Vergangenheit von Charles L. Harness ist eine der besten Space Operas überhaupt. Wird von Kritikern oft auf eine Stufe mit den Werken A. E. van Vogts gestellt, erreichte jedoch leider nie deren Popularität.
Das Rätsel der Creeps – Daniel S. GarnettRoderick – John T. SladekDer Mann ohne Vergangenheit – Charles L. Harness
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Alex »molosovsky« Müller, SF-Blogger, Kritiker, Übersetzer (Ted Chiang): A.S. Neil, Die grüne Wolke – Klassiker der wilden Jugendliteratur aus dem Jahre 1938. Irgendwo zwischen Endzeit-SF, Abenteuertumult und völligem Chaos. Übersetzt von Harry Rowohlt. Empfohlen sei die Ausgabe mit den Illus von F. K. Waechter (oder das von Herrn Rowohlt selbst eingelesene Hörbuch). William Browning Spencer, Résumé With Monsters – Siebzehn Jahre ist dieser Roman alt und immer noch unübersetzt im Land der mehrfachen Lovecraft-Ausgaben. Hier trifft kosmisches Grauen auf moderne McJob-Arbeitswelt … mit Romanze! J. M. DeMatteis (Text) & Glenn Barr (Zeichnung), Brooklyn Dreams – Feine S/W-Psychophantastik die grandios mit Stimmungen, dem Kontrast von Realismus, Cartoon & Phantastik spielt. War vergriffen, ist nun in schöner einbändiger (engl.) Ausgabe zu haben.
A. S. Neil - Die grüne WolkeWilliam Browning Spencer – Résumé With MonstersDeMatteis & Glenn Barr – Brooklyn Dreams
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Auch interessant:
Multiversum – SF Romane für Einsteiger

Ted Chiang – Die Hölle ist die Abwesenheit GottesEin historischer Blackout: Connie Willis ist mit dem Doppelroman Blackout/All Clear wieder einmal unterwegs im Themenpark Geschichte, diesmal Abteilung 2. Weltkrieg. Bietet sie dem Leser mehr als ihre prall gefüllten Rechercheordner? Leider nein, finden wir, und dämmern dahin im Guido Knopp-Modus. [00:00]

Ach du meine Fresse: David Lubar fügt den pubertären Problemen durchschnittlicher Teens ein entscheidendes hinzu: Plötzlich Zombie – So ein Mist! Mehr Spaß durch gefühllose Unverwundbarkeit. Ein äußerst unterhaltsames Kinderbuch mit Körperteilen. [15:15]

Tiefgang für Geeks: Ted Chiang zeigt, wie man guten Stil, verblüffende Ideen und philosophisches Denken zu großartigen Erzählungen verwebt. Die überaus gelungene Anthologie Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes versammelt mehrfach preisgekrönte Miniaturen über Zeit, Bewusstsein, Gott und Mythos. [23:50]

Das rätselhafte Mosaik der Zukunft: Das Buch der Neuen Sonne von Gene Wolfe ist ein bis heute einzigartiges Werk der Phantastik. Die nicht immer leicht konsumierbare Erzählung wirkt wie eine Gegenthese zu heutigem Mainstream. Die geniale Mischung aus Intensität und Beiläufigkeit belohnt den wachen Leser mit großartigen Passagen, die zum Besten gehören, das die Phantastik zu bieten hat. [33:55]

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Connie Willis, Blackout (Spectra 2010 - 491 Seiten), All Clear (Spectra 2011 - 656 Seiten)

David Lubar, Plötzlich Zombie - So ein Mist! (Bastei Lübbe 2012 - 160 Seiten); Illustration: Kerstin Schoene; Übersetzung: Bernhard Schneider; Originaltitel: Accidental Zombie – My Rotten Life (2009)

Ted Chiang, Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes (Golkonda 2011 - 179 Seiten), Übersetzung: molosovsky

Gene Wolfe, Das Buch der Neuen Sonne besteht aus den vier Bänden: Der Schatten des Folterers (Heyne 1984) Originaltitel: The Shadow of the Torturer (1980); Die Klaue des Schlichters (Heyne 1984) Originaltitel: The Claw of the Conciliator (1980); Das Schwert des Liktors (Heyne 1984) Originaltitel: The Sword of the Lictor (1981); Die Zitadelle des Autarchen (Heyne 1984) Originaltitel: The Citadel of the Autarch (1982) Übersetzungen: Reinhard Heinz

Die Musik zur Sendung
Marco Trovatello - “I had to let God be in control of ALL things” - [Wuerfel 13] - www.derkleinegruenewuerfel.de


William Gibson – SystemneustartMythos und Wahrheit: Das ungewöhnliche, skurrile Werk von James Tiptree Jr. ist nur noch eingeschworenen Fans bekannt. Mit der Neuauflage ihrer Kurzgeschichten könnte sich das ändern. Der erste Band Quintana Roo entführt den Leser in die magische Realität von Yukatan. Kurze Roadmovies auf dem Weg in die Unwirklichkeit. [00:00]

Wer bin ich, wenn ich viele bin? Bei David Marusek wird die digitale Verwirrung der Moderne auf die Spitze getrieben, wenn der Alltag mit Schnappschüssen des Selbst bevölkert wird. Das ist eine der vielen Ideen, die den Leser in seiner Anthologie Wir waren außer uns vor Glück erwarten. Kurzweilige Erzählungen mit doppeltem Boden von einem neuen, bemerkenswerten Autor. [12:35]

Anti-Marketing: Was macht Sinn, wenn Sinn zur Marke wird? Die Personen in Systemneustart von William Gibson sind auf der Suche nach der Geschichte hinter den Dingen und verlieren sich in der Leere unserer Konsumwelt. Der letzte Band der Blue-Ant-Trilogie ist eine faszinierende Sozialstudie und ein treffender Kommentar zur Gegenwart. [23:00]

Der Tod ist ein unnützes Wissen: Die Anthologie Machine of Death variiert auf sehr kreative und unterhaltsame Art die Frage: Was wäre, wenn ich wüsste, wie ich sterbe? Ein originelles Buch mit einer originellen Entstehungsgeschichte als Creative Commons Projekt. [35:05]

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James Tiptree Jr., Quintana Roo (Septime 2011 - 158 Seiten), Übersetzung: Frank Böhmert, Originaltitel: Tales of the Quintana Roo (1986)

David Marusek, Wir waren außer uns vor Glück (Golkonda 2011 - 224 Seiten), Übersetzung: Jasper Nicolaisen, Jakob Schmidt, Originaltitel: Getting to Know You (2007)

William Gibson, Systemneustart (Tropen 2011 - 488 Seiten), Übersetzung: Hannes und Sara Riffel, Originaltitel: Zero History (2010)

Ryan North, Matthew Bennardo, David Malki, Machine of Death: A Collection of Stories about People Who Know How They Will Die (Machine of Death 2011 - 452 Seiten) als kostenloser Download: http://machineofdeath.net/pdf/MachineofDeath_FINAL.pdf

Die Musik zur Sendung
V.A. - Twenty Twenty - [vm020-free] - www.vekton.de


Der Name des sozialen Netzwerks ist Programm. facebook sammelt Gesichter. In den Datenbänken des amerikanischen Konzerns entsteht die weltweit größte Sammlung biometrischer Daten. Wie finden Science Fans so eine Entwicklung?

Ist das die Verwirklichung der faszinierenden Vorstellung einer lückenlosen Vernetzung im ALLnet – spannend, nützlich und harmlos? Oder ist es der schleichende Übergang zu einer kommerziellen Überwachungsgesellschaft, das “1984″ einer globalen Konsumreligion? Oder ist es gar der infrastrukturelle Bodensatz, auf dem zukünftige autoritäre Systeme ihre Kontrollmechanismen etablieren können?

Man kann sicher sein, dass die chinesische oder russische Regierung nicht uninteressiert an den biometrischen Daten ihrer facebook-Landsleute wären. Wie würden wir wohl auf ein entsprechendes Datenleck reagieren?

Wie jetzt bekannt wurde, kopierten unbekannte Hacker Millionen biometrische Datensätze aus den Zentralservern des facebook-Konzerns. Wie der Datenschutzbeauftragte des Konzerns zugab, wurde das Datenleck bereits …

Wie lange würde es wohl bis zu einer solchen Schlagzeile dauern? Auch die Kontrollinstanzen der westlichen Demokratien, ebenso wie die Berlusconis der Zukunft, dürften nicht uninteressiert an diesem Datenschatz sein.

Kann es tatsächlich sein, dass wir uns ohne weitere Hintergedanken freiwillig zu einem gläsernen Menschen machen? In einer Zeit, in der ein Webprofil immer mehr zum Lebensprofil wird und in der Konzerne beginnen, unsere Konsumbiografie aufzuzeichnen?

Wie fänden wir es, wenn die Kulisse aus dem Film Minority Report Wirklichkeit werden könnte? Abgefahren, weil es uns dem Konsumnirvana totaler, unmittelbarer und personalisierter Bedürfnisbefriedigung ein großes Stück näher bringt? Oder bekommen wir eine Gänsehaut, weil der Big Brother des 21. Jahrhunderts aussieht wie Thomas Gottschalk oder Stefan Raab?

Ist das eine übertrieben ängstliche Dystopie oder der Keim einer grundlegend falschen Entwicklung?

Wer mehr über die aktuellen Entwicklungen wissen will, der kann z. B. mit diesem Artikel des Kölner Stadtanzeigers beginnen: Die Millionen Augen von Facebook (KSta vom 11.11.11)


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