Schriftsonar – Der SciFi Podcast

Cover: Paolo Bacigalupi - Der SpielerPeak Everything: Paolo Bacigalupi erzählt in Der Spieler Geschichten aus der Post-Kollaps-Gesellschaft, angesiedelt kurz vor den Geschehnissen, die in seinem Debüt-Roman Biokrieg spielen. Der Dalai Lama existiert nur noch als KI-Konstrukt, ein Flötenmädchen lebt allein für ein grausiges Konzert, ein Genfledderer ist die letzte Hoffnung für selbstständige Bauern, ein Chinese kämpft sich durch die Slums von Thailand und ein Journalist im Exil glaubt noch an Nachrichten die nicht reines Entertainment sind. [02:45]

Die heißeste Woche am Bosporus: Börsenmakler auf Nanodrogen versuchen den Deal ihres Lebens abzuwickeln. Ein Kind mit Herzklappenfehler spielt mit Hilfe seiner Spielzeugdrohne Detektiv. Der Vetter eines selbsternannten Imans kann plötzlich mit Djinns reden. Eine Kunsthändlerin macht sich auf die Suche nach dem Mellified Man,  eine in Honig konservierte Mumie. Und ein geschasster Wissenschaftler scheint als Einziger die richtigen Schlüsse aus den rätselhaften Vorgängen rund um das Dervish House zu ziehen. Ian Mc Donald verwebt vielleicht ein paar Geschichten zu viel miteinander, versteht sie aber packend bis zum Schluss zu erzählen. [14:53]

Gegen den Strich gebürstet: Maike Hallmann überrascht mit Pesadillas, Band 58 der Shadowrun Reihe, in dem sie zunächst mit den Klischees und den Grenzen der Reihe spielt – um sie dann den Lesern gekonnt um die Ohren zu hauen. Straßensamurai, Ork, Katzenschamanin, Dunkel Elf, KI-Adept und Cyberpunkerin verhalten sich nur anfangs regelkonform, bevor ihre Welt komplett aus den Fugen gerät und sich von innen nach außen stülpt. Hart und schnell geschrieben. [27:09]

Nicht vom Titel und Titelbild schrecken lassen: In Maike Hallmans großartigem Epos Die Feen geht es weniger um liebreizende Elfen, als viel mehr um Pixies, Herdgeister, Leprechauns, Kelpies und ähnliche düster mysteriöse Wesen rund um ein altes schottisches Dorf – nebst düsterem See und nebelverhangenem Moor. Und um das mysteriöse Schicksal der Jugendlichen eines Internats, das in einem uralten Castle beheimatet ist. Eine schaurig schöne, klassisch erzählte Gruselgeschichte, in der die Schrecken des Erwachsenwerdens eine ganz eigene Wendung bekommen. [36:58]

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Download: Schriftsonar 48


Datastream

Paolo Bacigalupi: Der Spieler (Golkonda 2012 – 213 Seiten), Übersetzung: Birgit Herden, Dorothea Kallfass & Hannes Riffel, ISBN 978-3-942-39615-8

Ian McDonald: The Dervish House (Gollancz 2010 – 472 Seiten), ISBN: 978-0-575-08862-7

Maike Hallmann: Shadowrun Bd. 58 – Pesadillas (Heyne 2006 – 428 Seiten), ISBN: 978-3-453-52225-1

Maike Hallmann: Die Feen (Heyne 2011 – 592 Seiten), ISBN: 978-3-453-52851-2

Die Musik zur Sendung
Spiedkiks – Little Smartphone People (rec72.net)

Ernest Cline - Ready Player OneRilke lebt! Frank Haubold entführt uns im zweiten Band seiner Götterdämmerung Trilogie in Das Todeslabyrinth. Dort begegnenen wir nicht nur alten Bekannten sondern auch Jim Morisson und “dem Dichter”. Dementsprechend lyrisch wird das Ganze. Ob das noch was für Fans von klassichen SF-Opern ist? [03:20]

Zombies wohin man sieht: Mira Grant greift das allgegenwärtige Zombie Thema auf und schafft es im ersten Band Feed – Viruszone ihrer Newsfeed Trilogie dem Genre ein paar neue Ideen hinzuzufügen. Dabei führt sie en passant vor, was passiert, wenn die Offline Medien versuchen Katastrophen klein zu reden, während sich die Netzwelt aufmacht die Welt zu retten. [12:58]

Machterhalt um jeden Preis: Nach dem Fallout versucht ein kleiner Teil der Menschheit in einem gigatischen Silo mehr schlecht als recht zu überleben, organisiert in einem streng hierarchischem System. Hugh Howey seziert in seinem Debut Roman Machtstrukturen und stellt implizit die Frage, ab welchem Punkt die Einschränkung von Freiheit einer Gemeinschaft mehr mehr schadet als sie vor vermeintlichen Gefahren von aussen zu beschützen. [22:36]

Hommage an die 80er Jahre: In seinem Roman Ready Player One beschwört Ernest Cline auf ziemlich lässige Weise den Geist der 80er Jahre, eingebettet in eine Rahmenhandlung in der die Suche nach einem “Easteregg” in der virtuellen Welt der sogenannten “Oasis” zu einem bizarren Kampf zwischen David und Goliath mutiert. Ein großer Spass, für alle Nerds, die mit Videospielkonsolen, Textadventuren und dem “Besten der 80er” groß geworden sind. [33:43]

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Download: Schriftsonar 47


Datastream

Frank W. Haubold: Götterdämmerung: Das Todes Labyrinth (Atlantis 2013 – 275 Seiten), ISBN 978-3864021213

Mira Grant: Feed – Viruszone (Egmont Lyx 2012 – 512 Seiten), Übersetzung: Jakob Schmidt, ISBN 978-3802584169

Hugh Howey: Silo (Piper 2012 – 544 Seiten), Übersetzung: Gaby Wurster und Johanna Nickel, ISBN 978-3492055857

Ernest Cline: Ready Player One (Arrow Books 2012 – 374 Seiten), ISBN 978-0099560432

Die Musik zur Sendung
Erich Schall – Klong und Rauch (derkleinegruenewuerfel.de)




Weiter bis zur Nummer 50

Der letzte Beitrag von Michael war etwas schnell aus der Hüfte geschossen, denn Schriftsonar ist nicht komplett beendet, auch wenn es nicht mehr so sein wird wie früher.

Ich (FC Stoffel) möchte gerne noch bis zur Nummer 50 alleine weitermachen, einfach um nicht bei so einer krummen Nummer aufzuhören. Nennt mich Mr. Monk.

Schriftsonar wird ohne Michael nicht mehr das sein was es war. Ich bin traurig, das Michael sich von der Sendung verabschiedet hat, aber als sein Freund kann ich ihn auch verstehen. Denn auch ich habe mich in meinem Leben schweren Herzens von dem ein oder anderen Projekt verabschiedet, um zu neuen Ufern aufzubrechen. Und das oft ohne zu wissen wohin die Reise geht. Und bisher haben sich in meinem Leben diese Entscheidungen, so schwer sie mitunter waren, als richtig erwiesen. Michael weiß was er tut und ich bin überzeugt, daß es für ihn eine richtige Enstcheidung war.

Als Michael mit mir darüber sprach, daß er aufhören möchte, habe auch ich überlegt, Schriftsonar damit hinter mir zu lassen. Ich bin dann aber zu dem Schluß gekommen, daß ich diesen Podcast wirklich gerne auch noch im Seniorenstift produzieren möchte und lasse es jetzt also einfach mal drauf ankommen.

Keine Ahnung, ob ich das alleine hinbekomme. Keine Ahnung, ob das dann überhaupt noch jemand hören will. Keine Ahnung in welcher Frequenz die Sendungen kommen werden. Immerhin muss ich ja jetzt alle Bücher alleine lesen.

Aber es gilt: Bis zur Nummer 50 halte ich durch und dann stimmen wir ab, wie es weitergehen soll.

Vielleicht kriege ich Michael ja zur Nummer 50 dann nochmal als Gast eingeladen.

Wir hören uns,
FC Stoffel

Wenn es am schönsten war

Das Schriftsonar-Team löst sich auf, die Mission ist beendet. Nach elf Jahren verlassen wir die Umlaufbahn um den Bücherplaneten. Down to Earth oder Ad Astra? – das weiß keiner. Nur eines ist klar: So, wie es mal war, wird es nicht mehr sein. Ein paar Worte zum Abschied.

Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist? Nein, das glaube ich nicht. Wenn es am schönsten ist, dann soll man dieses Gefühl ruhig ein wenig genießen. Soll sich zurücklehnen und stolz sein auf den Weg, den man zurückgelegt hat, sich wohlfühlen in der Mühelosigkeit, die man erreicht hat. Nostalgisch blättert man in der Vergangenheit und merkt, das Schönste war, dass es immer Spaß gemacht hat.

Aber irgendwann zwickt selbst der bequemste Sitz, wird die Mühelosigkeit zur Routine und man fühlt, dass man das Beste, was man hier erreichen konnte, vielleicht schon erreicht hat. Denn wenn es am schönsten war, blicke ich nicht zurück, ich blicke nach vorne. Natürlich hätte ich immer so weiter machen können mit diesem kleinen Projekt, den Redaktionswitz vom Schriftsonar aus dem Seniorenstift wahr werden lassen. Und es wäre so leicht, auf all die fragenden, aufmunternden und netten Mails zu hören, die mich auch ein Jahr nach unserer letzten Sendung immer noch erreichen. Diese Mails machen mich bescheiden, ja sogar ein bisschen glücklich und sie machen es schwer. Das Gemurmel der Zuhörer, die mit großer Anteilnahme vor der Bühne ausharren und auch nach Monaten immer noch nach einer Zugabe rufen. Es wird keine Zugabe mehr geben. Das Schriftsonar stellt sein Erscheinen ein.

Es ist schwer, ehrlich zu sich selbst zu sein, weil es so leicht ist, es nicht zu sein. Und deshalb war es auch keine spontane Entscheidung, aber eine endgültige.

Und nein, es ist auch kein Zeitproblem. Zuviel Arbeit, das ist immer eine Ausrede. Keine Band löst sich auf, weil es zuviel Arbeit ist. Auf gewisse Weise ist sogar das genaue Gegenteil der Fall. Mühsam wird es, wenn es mich nicht mehr anstrengt. Wenn ich nicht mehr das Gefühl habe, es könne auf diesem Weg noch etwas neues kommen und ich könnte ein Weiterentwicklung gestalten. Routine frisst Motivation. Die Fans einer Serie wollen einfach immer nur die nächste Folge. Die Schauspieler nicht.

Ein kleiner Podcast ist im Grunde eine zu unbedeutende Sache, um viele Worte zu verlieren. Doch das Schriftsonar hat mich und unsere Hörer über erstaunlich und unerwartet viele Jahre begleitet. Ich danke Stoffel für viele sehr vergnügliche Momente. Ich danke allen Sprecherinnen und Sprechern, die immer ein wichtiger Teil des Schriftsonars waren.

Ich danke euch.
Es hat Spaß gemacht.

wakingmars-470x172.png

Schlicht und ergreifend eins der besten Spiele für Android.

Auch wenn ich sonst keine Spielerezensionen schreibe, aber dieses Action-Adventure hat einfach alle Aufmerksamkeit der Welt verdient. Waking Mars ist atmosphärisch dicht, hat einen super Soundtrack, professionelle Sprecher, tolles Gameplay (wie man auf neudeutsch so sagt) und ein wunderschönes Setting: Im Jahre 2097 werden Anzeichen von Leben auf dem Mars entdeckt. Der Spieler steuert den Forscher Liang, der laufend, kriechend und dank eines Jetpacks fliegend in ein weit verzweigtes Höhlensystem eindringt. Dort entdeckt er pflanzenähnliche Lebewesen (Zoa) die sich anscheinend in einem Ruhezustand befinden. Durch einen Erdrutsch wird er in der Höhle eingeschlossen und muss nun einen Weg nach draußen finden. Doch die Eingänge sind von seltsamen pflanzenähnlichen Membranen versperrt. Den ganzen Beitrag lesen »

Kim Stanley Robinson - 2312Von Klassik zur Space Opera: Was mit Rilke beginnt, wird zu einem Weltraumabenteuer mit Sternenbomben und kosmischen Mächten. Frank W. Haubolds Roman Götterdämmerung: Die Gänse des Kapitols ist ambitionierte deutsche SF mit guten Ideen und vielleicht zu wenig Seiten. [00:00]

Rettet Mutter Erde! Der Roman 2312 von Kim Stanley Robinson ist eine engagierte Geschichte über eine Menschheit im All, die nicht ohne ihre Heimat überleben kann. Eine Liebeserklärung an die Schönheit und Größe der Erde. Dieser grandiose Gegenentwurf zum Eskapismus der klassischen Space Opera gehört ganz sicher zu den wichtigen SF Romanen des anbrechenden Jahrhunderts. [12:00]

Was’n netten Quatsch: Kurzweilige Fantasy braucht keinen intellektuellen Tiefgang, um uns von einem dicken Band in den nächsten zu stürzen. Die Kriegsklingen von Joe Ambercrombie sind schnell, witzig, manchmal klug und auf jeden Fall spannend. Wir chillen bei angenehmer Unterhaltungslektüre. [23:30]

Lerne, den Fremden zu lieben: Die Xenogenesis Trilogie Die Genhändler von Octavia E. Butler ist ein wahres Meisterwerk der SF Literatur. Die Geschichte einer verlorenen Menschheit, die sich nur durch Hinwendung zur Fremdartigkeit retten und entwickeln kann, ist ein bewegendes und erzählerisch brillantes Statement zu den Themen Rassismus und Gender. [34:45]

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Download: Schriftsonar 46


Datastream

Frank W. Haubold, Götterdämmerung: Die Gänse des Kapitols (Atlantis 2012 – 241 Seiten)

Kim Stanley Robinson, 2312 (Orbit 2012 – 561 Seiten)

Joe Abercrombie, The First Law Trilogie: Kriegsklingen (Heyne 2007 – 800 Seiten), Feuerklingen (Heyne 2008 – 797 Seiten), Königsklingen (Heyne 2008 – 944 Seiten), Übersetzung: Kirsten Borchardt, Original: The Blade Itself (2006), Before They Are Hanged (2007), Last Argument Of Kings (2008)

Octavie E. Butler, Die Genhändler. Die Xenogenesis Trilogie. Drei Romane in einem Band: Dämmerung/Rituale/Imago (Heyne 1999), Übersetzung: Barbara Heidkamp, Original: Dawn (1987), Adulthood Rites (1988), Imago (1989)

Die Musik zur Sendung
Phonotrash – Elsewhere




By Light Alone - Adam RobertsPubertät ist die Hölle: Richard Calder liefert in seinem Debüt-Roman Tote Mädchen eine plausible Erklärung für stressige 14jährige Gothic-Girls: Quantenmechanik in der Gebärmutter. Wir reden über die gepfählten Frauen des New Gothic, Kitsch und absinthfarbene Augen. [00:00]

Ohne Licht keine Dunkelheit: Wie entwickelt sich eine Gesellschaft, wenn das Licht versiegt? Sie vergisst, was Dunkelheit ist. Auf dieser faszinierenden Prämisse beruht der Roman Dunkles Universum von Daniel F. Galouye. Ein weitgehend vergessenes, bemerkenswertes Buch über eine Reise von der Dunkelheit ins Licht. [13:40]

Haben und nichts haben: In seinem Roman By Light Alone entwirft Adam Roberts ein erschreckendes Szenario. Eine zerrissene, leidende Welt aus emotional gestörten Superreichen und dahinvegetierenden Armen, die im realen Sinne nicht mehr Wert sind als Pflanzen. Eine bewegende Geschichte über Menschen am Rande ihrer inneren Abgründe und ein ungewöhnlich guter und wichtiger SF Roman. [24:20]

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Download: Schriftsonar 45


Datastream

Richard Calder, Tote Mädchen (Suhrkamp 2012 – 242 Seiten), Übersetzung: Hannes Riffel, Originaltitel: Dead Girls (1992)

Daniel F. Galouye, Dunkles Universum (Ullstein Science Fiction 1984 – 190 Seiten), Übersetzung: Joachim Pente, Originaltitel: Dark Universe (1961)

Adam Roberts, By Light Alone (Gollancz 2011 – 406 Seiten)

Die Musik zur Sendung
Monokle & Galun – In Frame – [12rec.062]

auch interessant:
Adam Roberts, Sternensturm (Polystom) in Schriftsonar #31
Adam Roberts, Sternennebel (Salt) in Schriftsonar #28
Adam Roberts, Sternenstaub (Stone) in Schriftsonar #25



Is anybody out there? – Science Fiction jenseits von Anglo-Amerika.

Das Genre der Science Fiction Literatur ist vor allem eine anglo-amerikanische Angelegenheit. Neben den Publikationen aus den USA und Großbritannien spielen Romane aus anderen Ländern nur eine Nebenrolle. Die sogenannte “internationale SF Szene” ist recht einseitig sortiert. Die Europäer sind daran gewöhnt, dass ihre Science Fiction Autoren nur im eigenen Land und oft nur am Rande wahrgenommen werden. Wie ist dies aber erst, wenn wir in andere Regionen blicken? Gibt es Science Fiction aus Afrika, aus Asien oder Arabien? Welche Rolle spielen kulturelle Dominanz und westliche Weltbilder bei der Eingrenzung des SF Genres? Was gibt es zu entdecken – jenseits von Anglo-Amerika?

Christian Hoffmann - Phantastische Literatur in Afrika Über diese und andere Fragen spreche ich mit Michael Iwoleit und Christian Hoffmann. Der Autor, Übersetzer und Publizist Michael Iwoleit ist unter anderem Herausgeber des englischsprachigen Online Magazines Internova, das sich ausschließlich mit internationaler SF jenseits der anglo-amerikanischen Szene beschäftigt. Christian Hoffmann ist Kritiker und Autor zahlreicher Sekundärtexte zur SF. Soeben erscheinen ist sein Buch Phantastische Literatur aus Afrika.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Download: Schriftsonar Spezial World SF

Im Podcast erwähnte Leseempfehlungen:

zur afrikanischen Science Fiction:

Lauren Beukes - MoxylandThiongo – Herr der KrähenNnedi Okorafor - Who Fears Death
_____________________________________________________________
J. M. Coetzee - Warten auf die BarbarenMohammed Dib - Und ich erinnere mich an das MeerLauren Beukes, Moxyland. Englischsprachige Ausgabe (keine deutsche Übersetzung vorhanden) (384 Seiten, Angry Robot 2010) – Ng’g’ wa Thiong’o, Herr der Krähen (Originaltitel: Wizard of the Crow). Aus dem G’k'y’ ins Englische von Ng’g’ wa Thiong’o, aus dem Englischen von Thomas Brückner (960 Seiten, A1 Verlag 2011) – Nnedi Okorafor, Who Fears Death. Englischsprachige Ausgabe (keine deutsche Übersetzung vorhanden) (400 Seiten, DAW 2011) – J. M. Coetzee, Warten auf die Barbaren (Originaltitel: Waiting for the Barbarians). Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke (285 Seiten, Fischer Taschenbuch Verlag 2002) – Mohammed Dib, Und ich erinnere mich an das Meer (Originaltitel: Qui se souvient de la mer). Aus dem Französischen von Helga Walter (142 Seiten, Verlag Edition Orient 1992)

Ein hervorragender Überblick von Christian Hoffmann: Phantastische Literatur aus Afrika. Eine Bestandaufnahme (150 Seiten – Shayol 2012)

weitere internationale Science Fiction:

Lavie Tidhar - Apex Book of World SF 1Lavie Tidhar - Apex Book of World SF 2Bal Phondke - Es geschah morgen (Indische SF)
_____________________________________________________________
Lavie Tidhar: Apex Book of World SF 1 & 2 (Apex Publications) – Bal Phondke: Es geschah morgen. Indische Science Fiction Deutsch von Wilko Müller (325 Seiten, Projekte-Verlag 2006) – Brian W. Aldiss & Sam Lundwall (Hrsg.): Der Grosse Heyne World SF Omnibus

im Internet:

Internova – International SF (edited by Michael Iwoleit)

The World SF Blog

auch interessant:
Schriftsonar Podcast Spezial: Robert Sheckley

Schriftsonar Podcast Spezial: Die Erforschung der Zukunft



Good Bye Ray …

Ich habe von den versteinerten Meeren des Mars geträumt, den Eiscreme-Anzug bewundert, mich vor dem Illustrierten Mann gegruselt und bin oft zu Fuß durch seine stillen Straßen gegangen.

Ohne Ray wäre meine Jugend eine andere gewesen …

Ray Bradbury (1920-2012)


Und wieder einmal ist es Zeit für Meinungsvielfalt, in unserer Rubrik »Multiversum«. Diesmal haben wir nach den unbeachteten Meisterwerken gefragt. Tolle SF-Romane, die vielleicht schon vor längerer Zeit erschienen sind und die niemals die Aufmerksamkeit und Würdigung erfuhren, die sie eigentlich verdient hätten. Bücher, die in die Kategorie »Most Underrated SF-Novel« fallen.

Michael Iwoleit, Autor, Übersetzer, Herausgeber (u.a. Nova, Internova): Hilbert Schenck, At the Eye of the Ocean (1980) – Science Fiction ist eine im Kern pessimistische Literatur. Es fällt schwer, SF-Bücher mit einer optimistischen Grundstimmung zu finden, die nicht ins Kitschige verfallen. Mit diesem Buch – der Lebensgeschichte eines Mannes mit dem ungewöhnlichen Talent, Meeresströmungen und Wetterbewegungen über dem Meer zu erspüren Hilbert Schenck - At The Eye Of The Ocean – ist dem Autor etwas gelungen, was die meisten SF-Autoren gar nicht erst versuchen: Eine kraftvolle Bejahung des Lebens und der Liebe, mit am Ende fast mystisch überhöhten Figuren, die dennoch glaubhafte Charaktere bleiben. Schenck gelangte in der amerikanischern SF der Siebziger zu vorübergehender Prominenz, ist aber heute praktisch vergessen. Auch seine Stories und sein Roman A Rose for Armageddon, wenn auch weniger stark als dieser, lohnen eine Wiederentdeckung.
____________________________________________________________________

Hardy Kettlitz, Publizist, Autor zahlreicher Texte zur SF-Literatur, Herausgeber der Reihe SF-Personality: George Turner, Sommer im Treibhaus (1987; The Sea and Summer) – Subtiler, spannender Roman aus Australien über Treibhauseffekt und die Weltwirtschaft. Ward Moore: Der große Süden (1953; Bring the Jubilee) – Alternativweltroman, in dem die Südstaaten den amerikanischen Bürgerkrieg gewinnen. Mike Resnick: Das Zeitalter der Sterne (1982; Birthright: The Book of Man) – Großartige Future History in Erzählungen. Lohnt auch mehrfaches Lesen.
George Turner – Sommer im TreibhausWard Moore – Der große SüdenMike Resnick – Das Zeitalter der Sterne
____________________________________________________________________

Arno Behrend, Publizist, Autor und Mitorganisator des DortCon: Elleander Morning von Jerry Yulsman – In einem detailreich geschilderten Jahr 1983, das völlig anders ist, als jenes, das wir erlebt haben, sorgen zwei Bücher für Aufregung, die ein nie stattgefundenes Ereignis allzu glaubwürdig darstellen: einen zweiten Weltkrieg! Dieses Buch hat einfach alles: Phantastik, Spannung, Romantik, Erotik und eine verblüffende Detaildichte. Die Todesgarde von Philip George Chadwick – Ein Soldat des Ersten Weltkrieges erschafft mit biotechnologischen Methoden eine nichtmenschliche Armee. Wie Chadwick schon 1939 in diesem Roman die Gentechnologie voraussieht, ist atemberaubend – eine Vision von gestern, die den Leser heute frösteln lässt! Das Automatenzeitalter von Ri Tokko – Ri Tokko hat sich in dieser Utopie aus dem Jahre 1930 von der Automatisierung die vollständige Befreiung des Menschen von der Arbeit erhofft. Fertighäuser, Solarenergie, das Internet, Wetterkontrolle und Gentechnik – das alles hat Ri Tokko vorweggenommen. Seine gesellschaftlichen Visionen sind aus heutiger Sicht teils traumhaft, teils völlig indiskutabel –In jedem Fall ist sein Ideenreichtum außergewöhnlich.
Jerry Yulsman - Elleander MorningPhillip George Chadwick – Die TodesgardeRi Tokko – Das Automatenzeitalter
____________________________________________________________________

Christian Hoffmann, SF-Kritiker, Publizist, Autor von Sekundärtexten zur SF: Das Rätsel der Creeps von Daniel S. Garnett, der wie Haldemans Ewiger Krieg zur Zeit des Vietnamkrieges entstand, ist eine brillante Satire, in der mit Drogen ruhiggestellte Raumsoldaten in den Kampf gegen die bösen, bösen Creeps ziehen. Oder das zumindest glauben… – Weitaus weniger bekannt als Asimovs Roboter-Geschichten ist Roderick von John T. Sladek, dessen mechanischer Titelheld immer wieder mit menschlicher Dummheit und Bosheit konfrontiert wird. Vergesst Asimovs Robotergesetze: hier kommt Roderick! Der Mann ohne Vergangenheit von Charles L. Harness ist eine der besten Space Operas überhaupt. Wird von Kritikern oft auf eine Stufe mit den Werken A. E. van Vogts gestellt, erreichte jedoch leider nie deren Popularität.
Das Rätsel der Creeps – Daniel S. GarnettRoderick – John T. SladekDer Mann ohne Vergangenheit – Charles L. Harness
____________________________________________________________________

Alex »molosovsky« Müller, SF-Blogger, Kritiker, Übersetzer (Ted Chiang): A.S. Neil, Die grüne Wolke – Klassiker der wilden Jugendliteratur aus dem Jahre 1938. Irgendwo zwischen Endzeit-SF, Abenteuertumult und völligem Chaos. Übersetzt von Harry Rowohlt. Empfohlen sei die Ausgabe mit den Illus von F. K. Waechter (oder das von Herrn Rowohlt selbst eingelesene Hörbuch). William Browning Spencer, Résumé With Monsters – Siebzehn Jahre ist dieser Roman alt und immer noch unübersetzt im Land der mehrfachen Lovecraft-Ausgaben. Hier trifft kosmisches Grauen auf moderne McJob-Arbeitswelt … mit Romanze! J. M. DeMatteis (Text) & Glenn Barr (Zeichnung), Brooklyn Dreams – Feine S/W-Psychophantastik die grandios mit Stimmungen, dem Kontrast von Realismus, Cartoon & Phantastik spielt. War vergriffen, ist nun in schöner einbändiger (engl.) Ausgabe zu haben.
A. S. Neil - Die grüne WolkeWilliam Browning Spencer – Résumé With MonstersDeMatteis & Glenn Barr – Brooklyn Dreams
____________________________________________________________________

Auch interessant:
Multiversum – SF Romane für Einsteiger

Copyright © 2014 by: Schriftsonar – Der SciFi Podcast • Design based on a Theme by: BlogPimp / Appelt Mediendesign • Lizenz (Wordpress Theme): Creative Commons BY-NC-SA.