Schriftsonar – Der SciFi Podcast

Ian McDonald - LunaWieder einmal ist FC Stoffel nicht alleine in der Umlaufbahn um den Bücherplaneten, sondern hat sich mit Ivo und Patrick fachkundige Verstärkung dazu geholt. Akustisch nicht ganz so intim (man hört deutlich den Raum) dafür aber mit hoffentlich anregenden Diskussionen.

Mit kindlicher Freude erforscht Kai Meyer mit seinen Roman Die Krone der Sterne jenen Sense of Wonder, den wir alle in unserer Jugend angesichts der phantastischen Weltraumärchen der Marke Star Wars oder Battlestar Galactica verspürten. Und so begegnen wir in seinem Roman einer Ausstattungsorgie ohne Gleichen: Eine Gottkaiserin, einen Hexenorden und 30 Kilometer hohe Weltraumkathedralen mit Hyperraumantrieb. Wir gehen der Frage nach, ob das auch bei Erwachsenen noch Aufregung und Staunen sorgt.

Als „Game of Thrones auf dem Mond“ angepriesen kommt Ian McDonalds Luna zunächst als gehobener Unterhaltungsroman daher. Er selbst nennt als Inspiration die alten TV-Serien Dallas und Denver. Und tatsächlich gibt es da einige Parallelen bei der Geschichte um die fünf Familienclans die ihre Geschäftsinteressen auf dem Mond mit allen Mitteln verteidigen. Uns stellt sich die Frage: Ist dies nun McDonald Light, oder gibt es nach wie vor genügend Komplexität und verschachtelte kulturellen Hintergründe, um diesen Roman zu einem echten Ian McDonald zu machen?

In die Guardian Top 5 Liste der Kulturromane von Ian M. Banks hat es Surface Detail nicht geschafft. Zu Unrecht, meint Patrick und erläutert uns, warum dieser Roman alles hat, was wir an Ian M. Banks so schätzen: Die denkenden Schiffe, der Humor, die atemberaubenden Settings (hier eine digitale Hölle) und nicht zuletzt natürlich die „Kultur“. Eine Space Opera, wie sie nur Banks zu schreiben verstand. Und überhaupt ist eine Top 5 für diesen Ausnahmeautor eh viel zu kurz gegriffen.

Machen wir uns nichts vor. Mehr und mehr verlagern die Menschen ihr Gehirn nach außen in die digitalen Geräte. Daniel Suarez hat lange Zeit als Programmierer für Logistik-Software gearbeitet und erlebt, wie Menschen ohne Nachzudenken den Anweisungen auf dem Bildschirm Folge leisten. Was nun, wenn sich dies ein findiger Kopf zu Nutze macht, um mit einer Reihe von Skripten, die von bestimmten Ereignissen getriggert werden, Handlungen zu provozieren, die die Welt ins Chaos stürzen? Wer glaubt, daß dies fernste Dystopie sei, hat noch nie die Bekanntschaft mit Menschen in Call-Centern gemacht, die nur ihren vom Computer vorgegebenen Gesprächspfaden folgen können.

Sehenswert auch der TED Talk von Daniel Suarez: The kill decision shouldn’t belong to a robot.

Kleiner Nachtrag: Der englische Text wurde nicht von Jessica DiNapoli sondern von Anja Brüggemann gelesen. Das hat sich kurzfristig nach der Aufnahme des Gesprächs mit Ivo und Patrick erst ergeben.

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Datastream:
Kai Meyer: Die Krone der Sterne. 464 Seiten. FISCHER Tor (26. Januar 2017). ISBN: 978-3596035854

Ian McDonald: Luna. 512 Seiten. Heyne (12. Dezember 2016). Übersetzung: Friedrich Mader. ISBN: 978-3453317956.

Ian M. Banks: Surface Detail. Orbit (2011). Deutsche Ausgabe: Krieg der Seelen. 800 Seiten. Heyne (12. Dezember 2011). Übersetzung: Andreas Brandhorst. ISBN: 978-3453528710

Daniel Suarez: Daemon. 640 Seiten. Rowohlt (2. Mai 2011). Übersetzung: Cornelia Holfelder-von der Tann. ISBN: 978-3499256431

Daniel Suarez: Dark Net. 480 Seiten. Rowohlt (2. Mai 2011). Übersetzung: Cornelia Holfelder-von der Tann. ISBN: 978-3499252440

Daniel Suarez: Kill Decision. 496 Seiten. Rowohlt (2. April 2013). Übersetzung: Cornelia Holfelder-von der Tann. ISBN: 978-3499259180

Musik zur Sendung:
Jan Grünfeld – Music for Plants

Cover: Paolo Bacigalupi - Der SpielerPeak Everything: Paolo Bacigalupi erzählt in Der Spieler Geschichten aus der Post-Kollaps-Gesellschaft, angesiedelt kurz vor den Geschehnissen, die in seinem Debüt-Roman Biokrieg spielen. Der Dalai Lama existiert nur noch als KI-Konstrukt, ein Flötenmädchen lebt allein für ein grausiges Konzert, ein Genfledderer ist die letzte Hoffnung für selbstständige Bauern, ein Chinese kämpft sich durch die Slums von Thailand und ein Journalist im Exil glaubt noch an Nachrichten die nicht reines Entertainment sind. [02:45]

Die heißeste Woche am Bosporus: Börsenmakler auf Nanodrogen versuchen den Deal ihres Lebens abzuwickeln. Ein Kind mit Herzklappenfehler spielt mit Hilfe seiner Spielzeugdrohne Detektiv. Der Vetter eines selbsternannten Imans kann plötzlich mit Djinns reden. Eine Kunsthändlerin macht sich auf die Suche nach dem Mellified Man,  eine in Honig konservierte Mumie. Und ein geschasster Wissenschaftler scheint als Einziger die richtigen Schlüsse aus den rätselhaften Vorgängen rund um das Dervish House zu ziehen. Ian Mc Donald verwebt vielleicht ein paar Geschichten zu viel miteinander, versteht sie aber packend bis zum Schluss zu erzählen. [14:53]

Gegen den Strich gebürstet: Maike Hallmann überrascht mit Pesadillas, Band 58 der Shadowrun Reihe, in dem sie zunächst mit den Klischees und den Grenzen der Reihe spielt – um sie dann den Lesern gekonnt um die Ohren zu hauen. Straßensamurai, Ork, Katzenschamanin, Dunkel Elf, KI-Adept und Cyberpunkerin verhalten sich nur anfangs regelkonform, bevor ihre Welt komplett aus den Fugen gerät und sich von innen nach außen stülpt. Hart und schnell geschrieben. [27:09]

Nicht vom Titel und Titelbild schrecken lassen: In Maike Hallmans großartigem Epos Die Feen geht es weniger um liebreizende Elfen, als viel mehr um Pixies, Herdgeister, Leprechauns, Kelpies und ähnliche düster mysteriöse Wesen rund um ein altes schottisches Dorf – nebst düsterem See und nebelverhangenem Moor. Und um das mysteriöse Schicksal der Jugendlichen eines Internats, das in einem uralten Castle beheimatet ist. Eine schaurig schöne, klassisch erzählte Gruselgeschichte, in der die Schrecken des Erwachsenwerdens eine ganz eigene Wendung bekommen. [36:58]

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Datastream

Paolo Bacigalupi: Der Spieler (Golkonda 2012 – 213 Seiten), Übersetzung: Birgit Herden, Dorothea Kallfass & Hannes Riffel, ISBN 978-3-942-39615-8

Ian McDonald: The Dervish House (Gollancz 2010 – 472 Seiten), ISBN: 978-0-575-08862-7

Maike Hallmann: Shadowrun Bd. 58 – Pesadillas (Heyne 2006 – 428 Seiten), ISBN: 978-3-453-52225-1

Maike Hallmann: Die Feen (Heyne 2011 – 592 Seiten), ISBN: 978-3-453-52851-2

Die Musik zur Sendung
Spiedkiks – Little Smartphone People (rec72.net)

Ian McDonald - NecrovilleEin Buch für Jungs: Genoptimierte Menschen produzieren Werbetrailer für Bose-Einstein-Kondensate mit raffinierten Quanteneffekten. Nichts Neues also in der Lichtspur von Chris Moriarty? Doch hinter der Kulisse aus Technobabble finden wir Kinderarbeit, Arbeitskämpfe und Religionsstifter. [00:00]

Die Albträume des Historikers: Dan Simmons mischt in seinem Buch Terror einen historischen Roman mit Horrorelementen und füllt die leeren Seiten der Geschichtsschreibung mit Blut und Kälte. Wir bleiben enttäuscht im Eis stecken und fragen uns, ob weniger nicht mehr gewesen wäre. [11:00]

In meiner Suppe ist ein Mädel: Im Roman Necroville beschreibt Ian McDonald eine Gesellschaft, in der die Verstorbenen als billige Hausdiener unter uns wandeln. Wir reden über Schattenwirtschaft, freuen uns an Literatur aus der Stadt der Toten und lernen, dass Tote keine lebenden Menschen sind. [23:10]

In den Wirren des Krieges: Eine der besten Space Operas, die je geschrieben wurde, stammt aus dem Jahre 1981. In Pells Stern schildert C. J. Cherryh menschliche Schicksale und Niederlagen in den Geschehnissen eines Kolonialkrieges. Der erste Teil unserer neuen Reihe: Rettet die Backlist! [35:00]

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passend zur Sendung:
Wir haben in der Sendung gar nicht erzählt, wo und was der DortCon eigentlich ist. Es soll ja Menschen geben, die das nicht wissen (so knapp sechs Milliarden). Hintergrund, Ort, Zeit und alles weitere gibt es auf den Infoseiten zum DortCon.

Datastream
Chris Moriartry, Lichtspur (Heyne 2008 – 701 Seiten), Übersetzung: Michael Iwoleit, Originaltitel: Spin State (2003)

Dan Simmons, Terror (Heyne 2007 – 989 Seiten), Übersetzung: Friedrich Mader, Originaltitel: The Terror (2007)

Ian McDonald, Necroville (Heyne 2008 – 494 Seiten), Übersetzung: Horst Pukallus, Originaltitel: Necroville (1994)

C.J. Cherryh, Pells Stern (Heyne 1984 – 570 Seiten), Übersetzung: Thomas Schichtel, Originaltitel: Downbelow Station (1981)

Musik zur Sendung:
Human Terminal – Press any Key – [rec72-011] – www.rec72.net

Ian McDonald - BrasylTäuschung und Wirklichkeit: William Gibson hat sich in der Gegenwart eingerichtet und nimmt uns in »Quellcode« ein weiteres Mal mit auf seine Suche nach der Wahrheit unter dem Zeitgeist. Das Symbol der Suche ist ein rätselhafter Schiffscontainer und die Gegenwart maskiert sich durch Scheinwelten, Werbeagenturen und Regierungsbehörden. Wir sehen Tote auferstehen und reden über Produkt-Placement. [00:00]

Aufhören, wenn es am schönsten ist? - Die Anthologie »Der Moloch« von Helmuth W. Mommers zeigt die Vielfalt und Qualität der deutschsprachigen SF-Kurzgeschichte. Leider endet mit diesem Band die Reihe der Mommer’schen Visionen. Wir wagen Würdigung und Abgesang und werfen einen genaueren Blick auf »Die Tänzerin« von Frank Haubold. [12:30]

It is not safe to be one thing for too long: Mit dem meisterhaften Roman »Brasyl« unterstreicht Ian McDonald seinen Rang als einer der besten zeitgenössischen Autoren. Packend geschrieben und atmosphärisch dicht entwirft er das Gestern, Heute und Morgen der brasilianischen Riesenmetropole Sao Paulo. Die Welt als ein Kaleidoskop aus Universen, Schicksalen und Zeitebenen. [22:50]

Und der Himmel schweigt: In »Axis« führt Robert Charles Wilson seine Geschichte aus »Spin« weiter. 30 Jahre später tummeln sich Supermenschen, Aussteiger und Genpolizisten im Outback eines fremden Planeten. Erste Annäherungen an die hypothetischen Götter. Wir schauen in den Himmel und warten auf das Feuerwerk, das leider nicht kommt. [33:30]

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passend zur Sendung:
In der Kurzgeschichte »Modus Dei« – enthalten in der Anthologie »Der Moloch« – beschreibt Thorster Küper ein Augmented Reality Spiel, das ein wenig ausser Kontrolle gerät. Ich erwähnte in der Sendung, dass solch ein Computerspiel tatsächlich entwickelt wurde, und zwar vom Fraunhofer Institut für angewandte Informationstechnik FIT. Das Spiel heisst Epidemic Menace und hier ist die Mikrosite zum Spiel. Auch die 3Sat-Sendung Nano hat ein paar Informationen dazu.

Datastream
William Gibson, Quellcode (Klett-Cotta 2008 – 450 Seiten), Übersetzung: Stefanie Schaeffler, Originaltitel: Spook Country (2008)

Helmuth W. Mommers (Hg.), Der Moloch – Visionen 4 (Shayol 2007 – 352 Seiten)

Ian McDonald, Brasyl (Gollancz 2007 – 416 Seiten)

Robert Charles Wilson, Axis (Heyne 2008 – 396 Seiten), Übersetzung: Karsten Singelmann, Originaltitel: Axis (2007)

Musik zur Sendung:
Zengineers – The Return of Intelligence: Hikari – [iD.045] – www.ideology.de

Ian McDonald - River Of GodsMächtige Klunker: Anne Bischop präsentiert in Ihrer Trilogie »Die schwarzen Juwelen« eine trashige und unterhaltsame Mischung aus Höllenwesen, Hexen und einer magisch Pubertierenden. Fantasy, Horror, Sado-Maso und eine Menge Witz in einem sympathisch absurden Fantasy-Werk. [00:00]

The sky is no limit: In »Sternensturm« erschafft Adam Roberts ein Universum aus Luft. Wir fühlen uns an Jules Verne erinnert und begleiten unsympathische Hauptpersonen durch eine Welt viktorianischer Repression. Ein literarisch anspruchsvoller Roman über charakterliche und physikalische Brüche. Wir müssen dennoch die Frage nach der Spannung stellen und leiden an Titelverwirrung. [14:25]

Auf dem Fluss der Götter: Der Roman »River Of Gods« von Ian McDonald entwirft ein facettenreiches Panorama des indischen Subkontinents auf dem Weg in die Zukunft. In einem Gewebe aus unzähligen Personen, Handlungsfäden und Ideen entsteht eine faszinierende soziologische Momentaufnahme. Wir folgen dem Ganges auf den Spuren John Brunners. [25:20]

Bau’ dir ein Haus aus den Knochen des Krieges: In der Sammlung »Andere Himmel« schickt uns China Miéville auf eine Reise durch surreale Welten. In der Konzentration der Kurzgeschichte zeigt sich Miéville ohne überflüssigen Zierrat. Geschichten mit einer düsteren Intensität. Wir sprechen über Spuk bei Ikea und den Horror des Krieges. [37:20]

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Datastream
Anne Bischop, Dunkelheit (Heyne 2005 – 500 Seiten) ISBN: 978-3453530164 Originaltitel: Daughter of the Blood (1998), Dämmerung (Heyne 2005 – 175 Seiten) ISBN: 978-3453530638 Originaltitel: Heir to the Shadows (1999), Schatten (Heyne 2006 – 574 Seiten) ISBN: 978-3453530454 Originaltitel: Queen of the Darkness (2000) Übersetzung: Ute Brammertz

Adam Roberts, Sternensturm (Heyne 2007 – 447 Seiten) Übersetzung: Usch Kiausch ISBN: 978-3-453-52290-9 Originaltitel: Polystom (2003)

Ian Mc Donald, River Of Gods (Pocket Books, new ed. 2005 – 583 Seiten) ISBN: 978-0743404006

China Miéville, Andere Himmel (Bastei Lübbe 2007 – 347 Seiten) Übersetzung: Eva Bauche-Eppers ISBN: 978-3-404-24361-7 Originaltitel: Looking for Jake (2005)

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