Schriftsonar – Der SciFi Podcast

Robert Corvus, GrauwachtDie Gamer sind unter uns – und sie sind wie Du und ich. Ganz normale Menschen, die vielleicht in den 80er schon mit der Einstiegsdroge Pong mit dem Gamer Virus infiziert wurden. Und es gibt viele Geschichten über sie zu erzählen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Einige der besten deutschen sind in der Anthologie Gamer versammelt.

Endlich unsterblich, doch die Maschinen regieren die Welt – Andreas Brandhorst betritt mit seinem Roman Das Schiff eine neue Welt, in der nicht alles Eitel Sonnenschein ist, was zunächst so verlockend daher kommt. Hier geht es um all die großen Fragen der Menschheit; die Grenzen der Erkenntnis und des eigenen Ichs. Große Themen in einem dicken Buch. Aber reicht das für einen großen Roman?

Der Tag naht und die Metropolen müssen geräumt werden. Auf Bisola dauert eine Nacht ein ganzes Menschenleben und wenn der Tag anbricht, müssen die Menschen den Echsen ähnlichen Sassek weichen, um die Städte am Tag ihnen zu überlassen. Die Grauwacht sichert das Jahrhunderte alte Abkommen. Doch noch nie waren sie mit einem blauen Licht in der Dämmerung und den damit einhergehenden seltsamen Phänomen konfrontiert. Oder vielleicht doch, und das Wissen darüber ist nur verloren gegangen? Robert Corvus würzt seine Fantasy Erzählung mit einer guten Prise Sci-Fi, mischt dann noch einmal alles gut durch und erschafft so eine fantastischen Genre Mix, der Lust auf mehr macht.

Die Verbrechen an der Menschheit begehen die Menschen alle selbst. Arno Behrend erzählt in seinen 16 Kurzgeschichten von einer Welt, in der die Menschheit einfach nichts dazulernen will. Dieselben Fehler werden immer und immer wieder gemacht und nur wenige Aufrechte versuchen dagegen zu halten. Schuldig in 16 Fällen sind wir mindestens alle, und Arno Behrend legt den Finger tief in die Wunden unserer Neo-Liberalen-Gesellschaft. Und doch gibt es in jeder der Geschichten immer auch einen Funken Hoffnung. Vielleicht geht ja doch nicht alles den Bach runter. (Kleiner Nachtrag: Die Story „Small Talk“ erhielt 2003 den Deutschen Science Fiction Preis. Hatte ich im Podcast vergessen zu erwähnen).

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Datastream:

A. Skora, A. Rößler, F. Hebben (Hrsg): Gamer. 300 Seiten. Begedia Verlag (10. Juni 2016).
ISBN: 978-3957770707

Andreas Brandhorst: Das Schiff. 544 Seiten. Piper (5. Oktober 2015)
ISBN: 978-3492703581

Robert Corvus: Grauwacht. 432 Seiten. Piper Taschenbuch (19. Januar 2015)
ISBN: 978-3492269940

Arno Behrend: Schuldig in 16 Fällen. 364 Seiten. p.machinery Michael Haitel (28. August 2014)
ISBN: 978-3957650078

Die Musik zur Sendung:
Broke For Free – XXVII licensed under CC BY-NC-SA.

Und wieder einmal ist es Zeit für Meinungsvielfalt, in unserer Rubrik »Multiversum«. Diesmal haben wir nach den unbeachteten Meisterwerken gefragt. Tolle SF-Romane, die vielleicht schon vor längerer Zeit erschienen sind und die niemals die Aufmerksamkeit und Würdigung erfuhren, die sie eigentlich verdient hätten. Bücher, die in die Kategorie »Most Underrated SF-Novel« fallen.

Michael Iwoleit, Autor, Übersetzer, Herausgeber (u.a. Nova, Internova): Hilbert Schenck, At the Eye of the Ocean (1980) – Science Fiction ist eine im Kern pessimistische Literatur. Es fällt schwer, SF-Bücher mit einer optimistischen Grundstimmung zu finden, die nicht ins Kitschige verfallen. Mit diesem Buch – der Lebensgeschichte eines Mannes mit dem ungewöhnlichen Talent, Meeresströmungen und Wetterbewegungen über dem Meer zu erspüren Hilbert Schenck - At The Eye Of The Ocean – ist dem Autor etwas gelungen, was die meisten SF-Autoren gar nicht erst versuchen: Eine kraftvolle Bejahung des Lebens und der Liebe, mit am Ende fast mystisch überhöhten Figuren, die dennoch glaubhafte Charaktere bleiben. Schenck gelangte in der amerikanischern SF der Siebziger zu vorübergehender Prominenz, ist aber heute praktisch vergessen. Auch seine Stories und sein Roman A Rose for Armageddon, wenn auch weniger stark als dieser, lohnen eine Wiederentdeckung.
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Hardy Kettlitz, Publizist, Autor zahlreicher Texte zur SF-Literatur, Herausgeber der Reihe SF-Personality: George Turner, Sommer im Treibhaus (1987; The Sea and Summer) – Subtiler, spannender Roman aus Australien über Treibhauseffekt und die Weltwirtschaft. Ward Moore: Der große Süden (1953; Bring the Jubilee) – Alternativweltroman, in dem die Südstaaten den amerikanischen Bürgerkrieg gewinnen. Mike Resnick: Das Zeitalter der Sterne (1982; Birthright: The Book of Man) – Großartige Future History in Erzählungen. Lohnt auch mehrfaches Lesen.
George Turner – Sommer im TreibhausWard Moore – Der große SüdenMike Resnick – Das Zeitalter der Sterne
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Arno Behrend, Publizist, Autor und Mitorganisator des DortCon: Elleander Morning von Jerry Yulsman – In einem detailreich geschilderten Jahr 1983, das völlig anders ist, als jenes, das wir erlebt haben, sorgen zwei Bücher für Aufregung, die ein nie stattgefundenes Ereignis allzu glaubwürdig darstellen: einen zweiten Weltkrieg! Dieses Buch hat einfach alles: Phantastik, Spannung, Romantik, Erotik und eine verblüffende Detaildichte. Die Todesgarde von Philip George Chadwick – Ein Soldat des Ersten Weltkrieges erschafft mit biotechnologischen Methoden eine nichtmenschliche Armee. Wie Chadwick schon 1939 in diesem Roman die Gentechnologie voraussieht, ist atemberaubend – eine Vision von gestern, die den Leser heute frösteln lässt! Das Automatenzeitalter von Ri Tokko – Ri Tokko hat sich in dieser Utopie aus dem Jahre 1930 von der Automatisierung die vollständige Befreiung des Menschen von der Arbeit erhofft. Fertighäuser, Solarenergie, das Internet, Wetterkontrolle und Gentechnik – das alles hat Ri Tokko vorweggenommen. Seine gesellschaftlichen Visionen sind aus heutiger Sicht teils traumhaft, teils völlig indiskutabel –In jedem Fall ist sein Ideenreichtum außergewöhnlich.
Jerry Yulsman - Elleander MorningPhillip George Chadwick – Die TodesgardeRi Tokko – Das Automatenzeitalter
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Christian Hoffmann, SF-Kritiker, Publizist, Autor von Sekundärtexten zur SF: Das Rätsel der Creeps von Daniel S. Garnett, der wie Haldemans Ewiger Krieg zur Zeit des Vietnamkrieges entstand, ist eine brillante Satire, in der mit Drogen ruhiggestellte Raumsoldaten in den Kampf gegen die bösen, bösen Creeps ziehen. Oder das zumindest glauben… – Weitaus weniger bekannt als Asimovs Roboter-Geschichten ist Roderick von John T. Sladek, dessen mechanischer Titelheld immer wieder mit menschlicher Dummheit und Bosheit konfrontiert wird. Vergesst Asimovs Robotergesetze: hier kommt Roderick! Der Mann ohne Vergangenheit von Charles L. Harness ist eine der besten Space Operas überhaupt. Wird von Kritikern oft auf eine Stufe mit den Werken A. E. van Vogts gestellt, erreichte jedoch leider nie deren Popularität.
Das Rätsel der Creeps – Daniel S. GarnettRoderick – John T. SladekDer Mann ohne Vergangenheit – Charles L. Harness
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Alex »molosovsky« Müller, SF-Blogger, Kritiker, Übersetzer (Ted Chiang): A.S. Neil, Die grüne Wolke – Klassiker der wilden Jugendliteratur aus dem Jahre 1938. Irgendwo zwischen Endzeit-SF, Abenteuertumult und völligem Chaos. Übersetzt von Harry Rowohlt. Empfohlen sei die Ausgabe mit den Illus von F. K. Waechter (oder das von Herrn Rowohlt selbst eingelesene Hörbuch). William Browning Spencer, Résumé With Monsters – Siebzehn Jahre ist dieser Roman alt und immer noch unübersetzt im Land der mehrfachen Lovecraft-Ausgaben. Hier trifft kosmisches Grauen auf moderne McJob-Arbeitswelt … mit Romanze! J. M. DeMatteis (Text) & Glenn Barr (Zeichnung), Brooklyn Dreams – Feine S/W-Psychophantastik die grandios mit Stimmungen, dem Kontrast von Realismus, Cartoon & Phantastik spielt. War vergriffen, ist nun in schöner einbändiger (engl.) Ausgabe zu haben.
A. S. Neil - Die grüne WolkeWilliam Browning Spencer – Résumé With MonstersDeMatteis & Glenn Barr – Brooklyn Dreams
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