Schriftsonar – Der SciFi Podcast

William Gibson – SystemneustartMythos und Wahrheit: Das ungewöhnliche, skurrile Werk von James Tiptree Jr. ist nur noch eingeschworenen Fans bekannt. Mit der Neuauflage ihrer Kurzgeschichten könnte sich das ändern. Der erste Band Quintana Roo entführt den Leser in die magische Realität von Yukatan. Kurze Roadmovies auf dem Weg in die Unwirklichkeit. [00:00]

Wer bin ich, wenn ich viele bin? Bei David Marusek wird die digitale Verwirrung der Moderne auf die Spitze getrieben, wenn der Alltag mit Schnappschüssen des Selbst bevölkert wird. Das ist eine der vielen Ideen, die den Leser in seiner Anthologie Wir waren außer uns vor Glück erwarten. Kurzweilige Erzählungen mit doppeltem Boden von einem neuen, bemerkenswerten Autor. [12:35]

Anti-Marketing: Was macht Sinn, wenn Sinn zur Marke wird? Die Personen in Systemneustart von William Gibson sind auf der Suche nach der Geschichte hinter den Dingen und verlieren sich in der Leere unserer Konsumwelt. Der letzte Band der Blue-Ant-Trilogie ist eine faszinierende Sozialstudie und ein treffender Kommentar zur Gegenwart. [23:00]

Der Tod ist ein unnützes Wissen: Die Anthologie Machine of Death variiert auf sehr kreative und unterhaltsame Art die Frage: Was wäre, wenn ich wüsste, wie ich sterbe? Ein originelles Buch mit einer originellen Entstehungsgeschichte als Creative Commons Projekt. [35:05]

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Datastream

James Tiptree Jr., Quintana Roo (Septime 2011 – 158 Seiten), Übersetzung: Frank Böhmert, Originaltitel: Tales of the Quintana Roo (1986)

David Marusek, Wir waren außer uns vor Glück (Golkonda 2011 – 224 Seiten), Übersetzung: Jasper Nicolaisen, Jakob Schmidt, Originaltitel: Getting to Know You (2007)

William Gibson, Systemneustart (Tropen 2011 – 488 Seiten), Übersetzung: Hannes und Sara Riffel, Originaltitel: Zero History (2010)

Ryan North, Matthew Bennardo, David Malki, Machine of Death: A Collection of Stories about People Who Know How They Will Die (Machine of Death 2011 – 452 Seiten) als kostenloser Download: http://machineofdeath.net/pdf/MachineofDeath_FINAL.pdf

Die Musik zur Sendung
V.A. – Twenty Twenty – [vm020-free] – www.vekton.de


Dass sich die phantastische Buchlandschaft in den letzten 30 Jahren grundlegend geändert hat, ist keine besonders originelle Feststellung. Jeder, der sich regelmäßig in den entsprechenden Ecken der Buchläden rumtrieb, konnte die Umschichtung der Genres und Themen mitverfolgen.

Vor allem natürlich in Richtung Fantasy, welche mittlerweile nach meinem Augenschein bis zu 70 Prozent des Angebots ausmacht.

Trotzdem finde ich es lustig, in alten Veröffentlichungen und Anthologien den mittlerweile exorzierten Zeitgeist früherer Tage zu spüren. So zum Beispiel in einem kleinen Vorwort aus dem Jahre 1980 im Heyne Science Fiction Jahresband. Zur Kurzgeschichte Weggefährten von Tanith Lee steht dort:

Tanith Lees Stärke ist die Fantasy, das Randgebiet der Science Fiction, in dem das Science durch Sorcery (Zauberei) ersetzt ist und die Welt der Schwertkämpfer seit Robert E. Howards Conan fröhliche (und blutige) Urständ feiert. Auch dieses Subgenre der SF hat seine Reize und immer mehr Liebhaber, die sich von dem technischen (und oft pseudotechnischen) Brimborium der “Hardware”-Science Fiction eher abgestoßen fühlen.

Ja, so war das mal in der Zeit, vor dem Aufkommen der “Science Fiction”, des Randgebiets der Fantasy, in dem sich immer weniger Liebhaber tummeln, die sich von dem magischen (und oft pseudomittelalterlichen) Brimborium eher abgestoßen fühlen.

Peter Watts - AbgrundAlles Bio: In Uwe Posts skurrilem Roman Symbiose herrscht das große Krabbeln. Auf der Erde tummelt sich ein bunter Haufen von Telefonschnecken, Haarpflegegeckos, sprechenden Kühlschränken und Kraftkäfern in fröhlicher Symbiose. Politiker, Bürger, Wissenschaftler und Deppen schlagen sich um die letzten Tickets auf der Flucht vor dem Weltuntergang. Wir reisen mit und haben Spaß dabei. [00:00]

Patient lebt, Welt tot: Hiobs Spiel von Tobias O. Meißner ist eine lang angelegte Chronik der Grausamkeiten und Abgründe. In diesem frühen Roman des deutschen Ausnahmeautors zeigt sich ein wütender und düsterer Meißner. Hier herrscht ein anderer Ton, als in seinen massenkompatiblen Fantasyromanen. Ein Buch, das sich auskotzt über die Welt. Kann man es wirklich empfehlen? [13:15]

Tauchfahrt in die Seele: Peter Watts nimmt uns in Abgrund mit in die dunkelsten Tiefen des Ozeans. Doch seine Personen tragen diese Abgründe auch in sich selbst. Gebrochene Opfer und unberechenbare Gewalttäter werden zu Wesen der Tiefsee und entdecken ihre eigenen Form des Menschseins. Ein Roman, der einen nicht los lässt, mit einer Geschichte von großartiger Intensität. [25:25]

Neu, kurz und gut aus Deutschland: Die Anthologie Der Lotus-Effekt vom Wurdack Verlag versammelt eine gelungene Mischung deutscher SF-Autoren. Wir schauen vom Balkon und stellen zum wiederholten Male fest: Die deutsche SF-Kurzgeschichte ist besser denn je. [36:30]

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Download: Schriftsonar 36

Datastream
Uwe Post, Symbiose (Atlantis 2009 – 196 Seiten)

Tobias O. Meißner, Hiobs Spiel: Frauenmörder (Eichborn 2002 – 300 Seiten)

Peter Watts, Abgrund (Heyne 2008 – 495 Seiten), Übersetzung: Sara Riffel, Originaltitel: Starfish (1999)

Armin Rößler & Heidrun Jänchen (Hg.), Lotus-Effekt (Wurdack 2008 – 215 Seiten)

Die Musik zur Sendung
stammt von der Cologne Commons Compilation 01

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