Schriftsonar – Der SciFi Podcast

Monica Byrne: Die BrückeWir sind alle eins. Möglich macht dies in Ramez Naams Debütroman die Droge Nexus, die den vollumfänglichen Zugriff auf unsere Gehirnen ermöglicht. Inklusive Uploads von neuen Funktionen und kompletter Vernetzung mit anderen Gehirnen. Transhumanismus ist das Stichwort. Und natürlich kann eine solche Technik nicht allein den Wissenschaftlern überlassen werden, weckt dies doch Begehrlichkeiten bei allen Geheimdiensten, Militärs und Drogekartellen unserer Welt. Ob Nexus nun Fluch oder Segen, Freiheit oder Sklaverei bringt, liegt in den Händen einiger weniger äußerst mächtiger Akteure. Und mitten drin Kaden Lane, der doch nur ein bisschen mit der Droge experimentieren wollte.

Zwei Frauen aus zwei Kontinenten bewegen sich aufeinander zu. Das Mädchen Mariama zieht es von West Afrika nach Äthiopien. Die junge Frau Meena zieht es nach Osten, auf einer gigantischen Brücke aus Pontons zur Energiegewinnung, die im arabischen Meer Indien mit Somalia verbindet. Beide Frauen sind auf der Flucht. Beide erzählen die Ereignisse aus ihrer ganz eigenen Perspektive. Beide Erzählungen sind durch traumatische Erlebnisse in der jüngsten Vergangenheit verzerrt. Und doch scheint das Schicksal beider Frauen miteinander verwoben zu sein. Monica Byrnes Debütroman Die Brücke  fällt in die Kategorie “Mindfuck”, ist dabei aber nie prätentiös oder super schlau geschrieben, sondern stets im Dienste eines bewegenden Psychograms zweier verlorenen Seelen auf der Suche nach Erlösung.

Wie stiehlt man sein früheres Ich? Vor diesem Problem steht der Quantum Dieb Jean le Flambeur im Debütroman von Hannu Rajaniemi. Geist und Körper sind in der fernen Zukunft schon lange nicht mehr eins. In der Gesellschaft der Oubliette auf dem Mars sind alle Erinnerungen in einem Exospeicher abgelegt und der Zugriff darauf erfolgt mittels des Gevulot Sinns. Zeit ist ein kostbares Gut und ersetzt die Währung. Nach Ablauf des persönlichen Zeitkontingents geht es ins Schweigen um als Maschine am Wiederaufbau der Stadt zu arbeiten. Aber ist die strukturelle Integrität des Exospeichers wirklich so unantastbar wie immer behauptet? Eine quantenmechanische Tour de Force die so manchen Knoten in dem ein oder andere Gehirn fabrizieren wird.

Erstkontakt unter dem Zeichen der chinesischen Kulturrevolution. Cixin Liu schafft es in seinem Roman The Three-Body Problem die klassischen Erzählweisen des Golden Age der Science Fiction mit modernen Themen und Formen zu kombinieren. Er verwebt dabei drei Erzählebenen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In der Computersimulation eines Dreistern-Systems erleben wir das klassische sense of wonder einer fremden Kultur auf einer fernen Welt. In der Jetztzeit begleiten wir einen Nano-Wissenschaftler bei der Aufklärung einer mysteriösen Selbstmordserie unter Kollegen. Und in den Wirren der Kulturrevolution erleben wir die Vorbereitung eines Erstkontakts, dessen Auswirkung hier bis weit über die Grenzen der Menschheit hinaus spürbar werden. Ganz nebenbei liefert Cixin Liu eine verstörende Erklärung für die quantenphysikalischen Paradoxa. Zu Recht ausgezeichnet mit dem Hugo Award 2015.

Download: Schriftsonar 51


Datastream:

Ramez Naam: Nexus. 624 Seiten. Heyne Verlag (2014). Übersetzung: Bernhard Kempen. ISBN: 978-3453315600

Monica Byrne, Die Brücke. 448 Seiten. Heyne Verlag (2015). Übersetzung: Irene Holicki. ISBN: 978-3453417847

Hannu Rajaniemi: Quantum. 432 Seiten. Piper Taschenbuch (2012). Übersetzung: Irene Holicki. ISBN: 978-3492268752

Cixin Liu: The Three Body-Problem. 399 Seiten. Tor Verlag (2014). Übersetzung: Ken Liu. ISBN: 978-0765377067

Die Musik zur Sendung:
Zimmer124 – Various Artists – Selections – Red

Ein Kommentar zu „Schriftsonar Podcast#51 – Ramez Naam, Monica Byrne, Hannu Rajaniemi, Cixin Liu“:

  1. Peter H.

    Cool, mal wieder eine Schriftsonar-Folge, da freu ich mich ja! Eure SciFi-Lounge im Kunstwerk war übrigens auch prima!

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