Schriftsonar – Der SciFi Podcast

Wer sich für Science Fiction interessiert, der denkt über die Zukunft nach. Dieser Satz ist nicht falsch, aber ist er ganz richtig? Was meinen wir, wenn wir Zukunft denken und welche Art von Zukunft beschreiben Vorhersagen?

Fernöstliche Meditationslehre sagt, dass Zukunft und Vergangenheit nicht existieren, dass sie Illusionen des Geistes sind. Das Morgen gibt es nicht. In unserer modernen Welt beschreiben wir die Zukunft wie einen Katalog von Möglichkeiten und Entwicklungen. Doch wenn wir in dieser Weise über die Zukunft sprechen, reden wir dann wirklich über sie, oder nur über eine Konstruktion der Gegenwart?

Jacques DerridaDer französische Philosoph Jacques Derrida umschreibt eine Zweigestaltigkeit der Zukunft. Die eine, über die wir reden, die wir vorplanen und mit unseren Erwartungen füllen, und jene, die wirklich die Zukunft ist, das kommende (l’avenir), das per Definition unvorhersehbar ist.

In general, I try to distinguish between what one calls the future and “l’avenir.” The future is that which – tomorrow, later, next century – will be. There’s a future which is predictable, programmed, scheduled, foreseeable.
But there is a future, l’avenir (to come) which refers to someone who comes whose arrival is totally unexpected. For me, that is the real future. That which is totally unpredictable. The Other who comes without my being able to anticipate their arrival.
So if there is a real future beyond this other known future, it’s l’avenir in that it’s the coming of the Other when I am completely unable to foresee their arrival.

Es sind nicht die “Wild Cards” über die Derrida spricht, nicht das Unvorhergesehene. Die wirkliche Zukunft ist für ihn das Unvorhersehbare, das erst sichtbar wird, wenn es geschieht.

Link: Jacques Derrida And ‘l’avenir’ – The ‘Unpredictable Future’




Jeden Tag einen ungewöhnlichen Gedanken denken. 2011 ist ein gutes Jahr, seine herkömmlichen Sichtweisen und Meinungen zu ändern. Wir müssen hinterfragen, was wir tun, sehen oder zu wissen glauben. Sonst bleibt alles, wie es ist.

Der legendäre verstorbene Physiker Richard Feynman bewies Zeit seines Lebens, wieviel Kraft und Kreativität in der Fähigkeit liegen, die Perspektive ändern zu können.

Ich empfehle die inspirierende Dokumentation Feynman: Take the world from another point of view. Wir bräuchten eine Menge mehr Feynmans.

… and you say: How could they believe in witches? Then you turn around and you say, oh let’s see, what witches do we believe in?”


Symphony of Science ist ein tolles kleines Projekt von John Boswell: Wissenschaft und Philosophie in musikalischer Form.

Im ersten Moment klingelt ganz kurz der Albernheits-Alarm, aber er verstummt schnell. Zum einen ist Albernheit die reinste Form emotionaler Weisheit, zum andern sind die Stücke einfach großartig! Ambientsounds feat. Physics Law and Awe – mit Stephen Hawking, Carl Sagan und anderen.

Mein Lieblingstrack ist “We Are All Connected”, vor allem weil er dem großartigen Richard P. Feynman mit seinen Bongos ein kleines Video-Denkmal setzt. Richard Feynman wird heute leider oft als Marketingfraggle der Nanotechnologie verheizt, weil er einmal einen in dieser Richtung wegweisenden Vortrag gehalten hat.

Doch Richard P. Feynman war einer der größten Wissenschaftler des letzten Jahrhunderts, und der dabei kreativste, menschlichste und klügste von ihnen.

Ich bin ein großer Verehrer von Feynman. Ihm hätte das Projekt und dieses Video sehr gefallen!

Link: Symphony of Science

(Danke Lao Tzu für den Hinweis!)

»Politics and religion are obsolete. The time has come for science and spirituality.« – Arthur C. Clarke. Ein rares Filmdokument mit dreien der bemerkenswertesten Denker des vorigen Jahrhunderts.

Stephen Hawking, Carl Sagan und Arthur C. Clarke diskutieren in diesem sehenswerten Interview über eine Menge nachdenklicher und fundamentaler Themen. Die Bild- und Tonqualität der alten Aufzeichnung ist nicht immer brilliant, die Inhalt sind es schon.

Leider sind sowohl Carl Sagan und Arthur C. Clarke bereits tot. Ich habe mich zum Beispiel gefragt, was Carl Sagan wohl zu der bevorstehenden Einstellung des amerikanischen Space Shuttle Programm gesagt hätte oder Arthur C. Clarke zur fortlaufend unsäglichen Debatte um »intelligent design«.

Die obige Szene ist nur ein Ausschnitt aus dem längeren Interview, das unter dem Titel God, The Universe, and Everything Else in voller Länge zu sehen ist. Die Einleitung zu dieser Gesprächssendung wabert ein wenig seltsam dramatisch, das würde man heute sicher nicht mehr so machen. Aber wir wissen, es kommt auf die Inhalte an.

Ich beneide den Moderator um das Erlebnis, mit diesen enorm einflussreichen und hellsichtigen Denkern zu sprechen. Unbedingt sehenswert.

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