Schriftsonar – Der SciFi Podcast

Der Name des sozialen Netzwerks ist Programm. facebook sammelt Gesichter. In den Datenbänken des amerikanischen Konzerns entsteht die weltweit größte Sammlung biometrischer Daten. Wie finden Science Fans so eine Entwicklung?

Ist das die Verwirklichung der faszinierenden Vorstellung einer lückenlosen Vernetzung im ALLnet – spannend, nützlich und harmlos? Oder ist es der schleichende Übergang zu einer kommerziellen Überwachungsgesellschaft, das “1984″ einer globalen Konsumreligion? Oder ist es gar der infrastrukturelle Bodensatz, auf dem zukünftige autoritäre Systeme ihre Kontrollmechanismen etablieren können?

Man kann sicher sein, dass die chinesische oder russische Regierung nicht uninteressiert an den biometrischen Daten ihrer facebook-Landsleute wären. Wie würden wir wohl auf ein entsprechendes Datenleck reagieren?

Wie jetzt bekannt wurde, kopierten unbekannte Hacker Millionen biometrische Datensätze aus den Zentralservern des facebook-Konzerns. Wie der Datenschutzbeauftragte des Konzerns zugab, wurde das Datenleck bereits …

Wie lange würde es wohl bis zu einer solchen Schlagzeile dauern? Auch die Kontrollinstanzen der westlichen Demokratien, ebenso wie die Berlusconis der Zukunft, dürften nicht uninteressiert an diesem Datenschatz sein.

Kann es tatsächlich sein, dass wir uns ohne weitere Hintergedanken freiwillig zu einem gläsernen Menschen machen? In einer Zeit, in der ein Webprofil immer mehr zum Lebensprofil wird und in der Konzerne beginnen, unsere Konsumbiografie aufzuzeichnen?

Wie fänden wir es, wenn die Kulisse aus dem Film Minority Report Wirklichkeit werden könnte? Abgefahren, weil es uns dem Konsumnirvana totaler, unmittelbarer und personalisierter Bedürfnisbefriedigung ein großes Stück näher bringt? Oder bekommen wir eine Gänsehaut, weil der Big Brother des 21. Jahrhunderts aussieht wie Thomas Gottschalk oder Stefan Raab?

Ist das eine übertrieben ängstliche Dystopie oder der Keim einer grundlegend falschen Entwicklung?

Wer mehr über die aktuellen Entwicklungen wissen will, der kann z. B. mit diesem Artikel des Kölner Stadtanzeigers beginnen: Die Millionen Augen von Facebook (KSta vom 11.11.11)


Dienstagswelt




Wie klingt die Erde, wenn sie zerstört? Der New Yorker Klangkünstler Micah Frank macht die Schwingungen des gewaltigen japanischen Bebens hörbar.

Aus einem sanften Rauschen erhebt sich ein pulsierender Klangteppich bis zu einem dissonanten Kreischen. Es ist nur eine Klangkonstruktion und doch scheint es uns, als höre man in das Herz der Katastrophe. Unheimlich.

Earthquakes off the east coast of Honshu, Japan – Friday March 11, 2011 by Micah Frank

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Das Erdbeben von Japan ist für uns vor allem eine Bilderflut voller Schock, Anteilnahme und einer verstörend düsteren Sensation. Das ZDF kam für einen kurzen Moment auf die geschmacklose Idee, die bewegendsten Bilder mit einem gefühlig depressiven Soundtrack zu untermalen, eine Art tönende Wochenschau des Leids.

Doch wenn es überhaupt einen angemessenen Soundtrack geben kann, der das Leid der Opfer nicht verhöhnt, dann nur durch die Natur selbst. Micah Frank spürt seit 2009 mit seinen tektonischen Installationen Schwingungsmustern nach, die durch Erdbeben rund um die Welt entstehen, und transformiert sie in Klang.




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