Schriftsonar – Der SciFi Podcast

Ein wunderschöner Zeitrafferfilm des nächtlichen Sternenhimmels. Das Besondere: Die Sequenzen sind so gestaltet, dass die wirkliche Bewegung sichtbar wird: die Erddrehung. Ein verblüffender Effekt.

(am besten in Fullscreen & HD)

Dabei fällt mir eine Episode des Philosophen Ludwig Wittgenstein ein, die von seiner Schülerin Elizabeth Ascome überliefert ist:

[Ludwig Wittgenstein] begrüßte mich einmal mit der Frage: »Weshalb sagen die Leute, es wäre ganz natürlich, zu denken, dass die Sonne die Erde umläuft, statt dass sich die Erde um ihre eigene Achse dreht?«
Ich antwortete: »Ich vermute, weil es so aussieht, als würde sich die Sonne um die Erde bewegen.«
»Nun«, fragte er, »wie hätte es denn ausgesehen, wenn es so ausgesehen hätte, als würde sich die Erde um ihre Achse drehen?«




Ich reise in die Zukunft und sehe mich selbst als alten Mann. Solch ein Zeitreiseparadox ist ein beliebtes Motiv der SF. Aus der Fantasy kennen wir den magischen Spiegel, durch den wir einen Blick in ferne Zeiten werfen können. Wie wäre es wohl, wenn wir wirklich einen solchen Spiegel hätten, mit dem wir uns über Jahrzehnte hinweg in die Augen blicken könnten, unserem späteren Selbst mit Falten, schütterem Haar und müden Augen? Würde ein solcher Blick auf unser Aussehen in der Zukunft unser gegenwärtiges Leben verändern?

Dieser Frage geht ein Team aus Psychologen und Virtual Reality Spezialisten an der University of Stanford in den USA nach. Mit Einsatz von Virtual Reality geben sie Testpersonen die Möglichkeit, sich selbst als altem Menschen gegenüber zu stehen. Der Avatar wird zum Zeitreisenden, der uns einen magischen Spiegel vorhällt.

Das Resultat unter den Testteilnehmern ist zu nahe liegend um nicht auch überraschend zu sein. Wer sich selbst als altem Menschen in die Augen geblickt hat, der würde deutlich mehr in seine Altersvorsorge investieren als eine Vergleichsgruppe. Und hier liegt auch der Sinn dieser Forschungen: Die Menschen zu einem besseren und verantwortungsvollerem Umgang mit ihrer eigene Zukunft zu erziehen.

Mich erfüllt dieses Experiment mit ambivalenten Gefühlen. Auf der einen Seite scheint es wünschenswert, wenn wir uns bisweilen direkt mit den Folgen unseres Tuns konfrontieren könnten. So wäre es sicher eine der wirkungsvollsten Anti-Raucher Kampagnen, wenn wir die Möglichkeiten hätte zu sagen: sieh mal, so siehst du mit Lungenkrebs im Endstadium aus. Dies würde womöglich mehr bewirken als jede abstrakte Aufklärungskampagne.

Auf der anderen Seite frage ich mich, ob der Blick in die eigene Zukunft, und sei es auch nur auf ihr äußeres Erscheinungsbild, die gelebte Gegenwart zu einem Vorspiel reduziert und aus dem freien Entwurfsspiel des Lebens ein lebenslanges Vorausdenken macht, frei von der Kreativität des unbekümmerten Selbstentwurfs. Wie verändert sich meine Lebenseinstellung, wenn ich anfange, die Gegenwart vor allem als Übergangsphase zum Alter zu begreifen? Will ich wirklich wissen, wie ich später aussehe? Oder kann der Gedanke daran mich auch im Gefühl einer Art Perspektivlosigkeit blockieren?

Es fällt mir nicht leicht, darauf eine einfache Antwort zu finden. Wie kann man es verbinden, zugleich selbst-verantwortlich zu handeln und trotzdem nicht zuviel an später zu denken?




Link:
Tony Ferreira




Wie klingt die Erde, wenn sie zerstört? Der New Yorker Klangkünstler Micah Frank macht die Schwingungen des gewaltigen japanischen Bebens hörbar.

Aus einem sanften Rauschen erhebt sich ein pulsierender Klangteppich bis zu einem dissonanten Kreischen. Es ist nur eine Klangkonstruktion und doch scheint es uns, als höre man in das Herz der Katastrophe. Unheimlich.

Earthquakes off the east coast of Honshu, Japan – Friday March 11, 2011 by Micah Frank

(Die überflüssigen Kommentare lassen sich durch einen Klick auf die Sprechblase ausblenden.)

Das Erdbeben von Japan ist für uns vor allem eine Bilderflut voller Schock, Anteilnahme und einer verstörend düsteren Sensation. Das ZDF kam für einen kurzen Moment auf die geschmacklose Idee, die bewegendsten Bilder mit einem gefühlig depressiven Soundtrack zu untermalen, eine Art tönende Wochenschau des Leids.

Doch wenn es überhaupt einen angemessenen Soundtrack geben kann, der das Leid der Opfer nicht verhöhnt, dann nur durch die Natur selbst. Micah Frank spürt seit 2009 mit seinen tektonischen Installationen Schwingungsmustern nach, die durch Erdbeben rund um die Welt entstehen, und transformiert sie in Klang.




Jeden Tag einen ungewöhnlichen Gedanken denken. 2011 ist ein gutes Jahr, seine herkömmlichen Sichtweisen und Meinungen zu ändern. Wir müssen hinterfragen, was wir tun, sehen oder zu wissen glauben. Sonst bleibt alles, wie es ist.

Der legendäre verstorbene Physiker Richard Feynman bewies Zeit seines Lebens, wieviel Kraft und Kreativität in der Fähigkeit liegen, die Perspektive ändern zu können.

Ich empfehle die inspirierende Dokumentation Feynman: Take the world from another point of view. Wir bräuchten eine Menge mehr Feynmans.

… and you say: How could they believe in witches? Then you turn around and you say, oh let’s see, what witches do we believe in?”


Der Video und Fotokünstler Bernard Gigounon zeigt uns Raumschiffe, die ästhetischer und seltsamer sind als in den meisten SF-Filmen. Verfremdung, beeindruckender als GCI.

Link: Starship


Der Video- und Klangkünstler Paul H Williams erschafft in seinen Kurzfilmen audiovisuelle Bilder von großer Intensität. Seine Themen sind die poetische Fremdheit urbaner Strukturen und die Zwiesprache zwischen Konstruktion und Raum.

Seine filmischen Miniaturen sind Ballardian landscapes, eine visuelle Umsetzung der Themen und Stimmungen des kürzlich verstorbenen britischen Autors James Graham Ballard, genial verwirklicht in dem für uns unwirklichen Ambiente von Abu Dhabi.

Sein Film Vermilion Sands ist wirklich grandios:

Paul H Williams - Vermilion Sands

Leider hat Williams das embedding des Videos erheblich eingeschränkt, weshalb der Screenshot zur Vimeo-Seite von Paul H Williams verlinkt.

Man sollte sich seine Kurzfilme unbedingt ansehen. Kein Youtube-Fastfood für die Mittagspause, sondern Videokunst, die Zeit und Ruhe braucht.

Hintergründe zu Person und Werk gibt es auch hier:
‘Human or other; depends who comes’: the Ballardian films of Paul Williams


Die japanische Roboter-Firma Kokoro hat eine Robotkrankenschwester entwickelt, die mit einer guten Maske und ausgefeilter Mimik verblüffend (erschreckend?) menschlich wirkt. Es scheint, als bauten wir menschliche Roboter, weil wir menschliche Roboter wollen, nicht unbedingt, weil wir sie brauchen.

Noch ist dieser Android telemetrisch ferngesteuert, aber falls die Singularitätsjünger des Propheten Kurzweil Recht behalten (was ich persönlich allerdings bezweifle), dann könnte so etwas eine zukünftige Hülle agierender AIs sein.

Ich finde es faszinierend, mit welchem Eifer wir an der Erfüllung unserer technologisch-phantastischen Ikonografien arbeiten. Der britische Autor Brian Aldiss nennt die Geschichte um Frankenstein und sein Geschöpf als Geburtsstunde der Science Fiction.
Immer mehr werden nun die Archetypen der Science Fiction zu Blaupausen unseres Fortschritts. In diesem Fall im Gewand des künstlichen Menschen.

Mir scheint das weniger eine technologische als eine kulturelle Entwicklung zu sein. Wir wollen einfach, dass es solche Wesen gibt. Und sei es nur, um uns hinterher vor ihnen zu gruseln.

Actroid-f

Das Unternehmen Kokoro kommt übrigens aus der Unterhaltungsbranche. Sie machen auch Robotersaurier, Tiere und Spielzeugroboter. Die eigenen Marketing-Worte der Firma könnten aus einem SF-Film der 80er Jahre stammen:

Since it was established in 1984, Kokoro has developed a wide variety of robots including dinosaurs, animals and humanoids based on the main theme “touch the hearts of the people”.

Kokoro’s “Mechatro-Art” techniques are created by our delicate blend of sophisticated art techniques and life-like movements. This unique perspective has made the name of Kokoro and our trademark “Doukoku – moving sculpture” known in the entertainment industries around the world.

Das erinnert mich an eine andere Firma,
mit einem anderen Motto:

More human than human.


»Because fossil fuels are so 2009« – Ein netter kleiner Werbeclip für die Zeit jenseits aller Transport- und Energieprobleme. Bestelldaten und Vertragshändler folgen in 500 Jahren.


Manche – nein, alle – Verschwörungstheorien sind in ihrem Kern dermaßen bescheuert und unlogisch, dass rationale Argumente ihnen nichts anhaben können. Warum nicht einmal den umgekehrten Weg probieren?

So zum Beispiel mit dem UFO-Unsinn. Die brilliante BBC-Comedy That Mitchell and Webb Look zeigt uns, wie clever und durchdacht die amerikanische Regierung nach ihrem Kontakt mit Aliens vorgangen sein muss. Ein Glück, dass die schlauen Ufologen dahinter gekommen sind.

Genial sind auch die Spots zur gefälschten Mondlandung: Mitchell and Webb – Moon Landing und zu Homöopathie und Heil-Kristallen. Ich liebe Mitchell & Webb.


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